Interview mit Patricia Alge

Immer wieder kam im Romantischen Bücherforum von uns Leserinnen die Frage auf: "Warum gibt es keine deutschsprachigen Romance-Autorinnen?"

Nun, um so größer ist die Freude und die Überraschung heute eine solche Autorin vorzustellen: Patricia Alge aus der Schweiz

Maria: Patricia, zuerst einmal können Sie uns mehr über sich und Ihr Leben erzählen?

Patricia Alge: Ich wurde 1974 in Widnau, einem Dorf im Kanton St.Gallen im wunderbaren Rheintal geboren und habe es bis heute noch nicht geschafft, diesen schönen Ort zu verlassen.

Bereits als Kind war Phantasie ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Da meine beiden älteren Brüder nicht allzuviel mit mir, dem Nesthäkchen, anzufangen wußten, vertrieb ich mir eben oft alleine die Zeit. Ich erzählte mir ständig irgendwelche Geschichten, oder erfand wilde Abenteuer, die ich sogleich in der Nachbarschaft in die Tat umsetzen mußte. Ich fürchte, damit habe ich meine Eltern oft an den Rand der Verzweiflung getrieben. (Die Nachbarn übrigens auch) Aber wir haben es alle mehr oder weniger unbeschadet überstanden.
Auch bei meiner späteren Berufswahl, war für mich klar, daß es etwas Kreatives sein mußte. So erlernte ich den Beruf des Konditor Confiseurs. Zu dieser Zeit lernte ich auch meinen heutigen Verlobten und baldigen Ehemann kennen. Er war der Erste, der von meinem Traum Schriftstellerin zu werden erfuhr. Und währenddem ich von anderen meist ein eher mitleidiges Lächeln erntete, erhielt ich von ihm von Anfang an die vollste Unterstützung. Nach meiner Ausbildung und drei Jahren Tätigkeit in meinem Beruf wechselte ich in ein gänzlich anderes Fach. Heute bin ich als Pharma – Assistentin tätig.

Maria: Sie sind noch sehr jung, wann ist in Ihnen der Wunsch gereift, einen historischen Liebesroman zu schreiben?

Patricia Alge: Dieser Wunsch kam eigentlich von einem Tag auf den anderen. Ich war damals gerade 18 Jahre alt und da ich selbst eine begeisterte Leserin dieser Liebesromane bin, lag die Entscheidung für mich eigentlich auf der Hand.

Maria: Sie haben berufsbegleitend eine schriftstellerische Weiterbildung gemacht. Gab Ihnen das eine gewisse Sicherheit Ihren Traum weiter zuverfolgen?

Patricia Alge: Eine Sicherheit möchte ich es eigentlich nicht nennen. Vielmehr war es eine Art Fundament, das mir gefehlt hatte. Das Grundwissen daß ich dort gelernt habe und die vielen nützlichen Tips und Kniffe möchte ich heute nicht mehr missen müssen.

Maria: Dieses Jahr kam ihr erster Historical heraus: "Leise Tränen - starkes Herz". Er spielt in Schottland im 12. Jahrhundert. Möchten sie es bitte für alle, die Ihr Buch noch nicht gelesen haben, kurz vorstellen?

Patricia Alge: Gerne. Die Geschichte spielt in Schottland, im Jahre 1169
Überfälle auf Burgen gehören zum Alltag und auch Elena Cambell, meine Heldin, bleibt davon nicht verschont. Ihr gelingt jedoch die Flucht aus der besetzten Burg und sie sucht auf Wunsch ihres Vaters Hilfe bei einem Söldner namens Höllendämon. Ramsay McFist, ist für seine Siege in scheinbar aussichtslosen Kämpfen bekannt und berüchtigt. Er ist ein Krieger und zwar einer, der alle adeligen Damen verabscheut.

Bald erfährt auch Elena, was es heißt von diesem Mann gedemütigt zu werden. Denn als zusätzliche Bedingung für seine Dienste, muß sie seinen Knappen spielen. Bereits am ersten Abend tauchen jedoch weit schwierigere Probleme auf. Irgend jemand aus dem Lager trachtet ihr nach dem Leben. Dies ist jedoch nur der Anfang von vielen weiteren Anschlägen. Trotz der Gefahren behält Elena ihren Mut und ihre innere Stärke und findet langsam einen Weg in das Herz des finsteren Riesen. Doch gerade als er zärtliche Gefühle zu entwickeln beginnt, geschieht das Unfaßbare. Ramsay glaubt sich verraten und sinnt auf Rache. Elena versucht ihn von ihrer Unschuld zu überzeugen, doch finstere Machenschaften und Intrigen scheinen bald all ihre Hoffnungen auf ein gemeinsames Glück zu zerstören.

Maria: Wie ich auf ihrer Homepage http://www.patriciaalge.ch gelesen habe, sind Sie auch quer durch Schottland gereist, konnten Sie dort Eindrücke sammeln, die Sie für Ihr Buch verwendeten?

Patricia Alge: Auf jeden Fall. Ich glaube, nur die wenigsten Schriftsteller können über etwas schreiben, daß sie nicht kennen. So war es natürlich sehr wichtig für mich, Schottland aus der Nähe kennenzulernen. Es ist ein absolut phantastisches Land. Die Vergangenheit scheint dort noch immer gegenwärtig. Man braucht sich nur irgendwo hinzusetzen, und das Land erzählt dir seine Geschichte.

Maria: Wielange haben Sie an diesem Roman geschrieben und wie kam es, dass er vom Heyne-Verlag übernommen wurde? Die Überraschung war bestimmt groß!

Patricia Alge: Überraschung ist gar kein Ausdruck. Ich war ganz aus dem Häuschen. Wie lange ich an diesem Buch geschrieben habe, kann ich heute gar nicht mehr so genau sagen. Mit 18 begann ich zwar mit meinem ersten Manuskript, verwarf es jedoch nach einigen Wochen wieder. Beim 2. und 3... ging es mir auch nicht besser, bis ich schließlich den Stoff für Leise Tränen – starkes Herz zusammen hatte. Dies geschah in einem Zeitraum von ca. 6 Jahren. (!) Doch die eigentliche Arbeit begann erst mit dem letzten Satz. Nun galt es einen Verlag zu finden. Mir graute schon davor, denn bei meinem ersten Buch hatte ich unzählige Verlage angeschrieben und nichts als Absagen erhalten.

Doch diesmal wußte ich, wohin ich wollte. Der Wilhelm Heyne war mein absoluter Traumverlag und obwohl mich alle davor warnten, daß ein so bekannter Verlag bestimmt keine „no names“ wie mich annehmen würde, versuchte ich es trotzdem. Nach einer telefonischen Anfrage durfte ich einige Leseproben einsenden und es hat tatsächlich geklappt.

Maria: Sie schreiben auch für das Tagblatt "Der Rheintaler". 1999 geben Sie auf die Frage was wirklich im Leben zählt und auf was Sie nie verzichten würden, die Antwort, dass es für Sie die Geborgenheit ist. Können Sie das auch heute noch sagen?

Patricia Alge: Ja, absolut. Geborgenheit beinhaltet für mich alles, was mir lieb und teuer ist.

Maria: 1999 wurden auf der Frankfurter Buchmesse Ihre Erzählungen "Von der Liebe und anderen wichtigen Dingen" vorgestellt, das der Fouque-Verlag herausbrachte. Ich habe sie gelesen und war sehr beeindruckt. Was empfanden Sie dabei, als Ihre Geschichten zu einem Büchlein zusammengefasst wurden?

Patricia Alge: Das war ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Wie ich schon angedeutet habe, war die Veröffentlichung dieses Buches unglaublich schwer. Ich schrieb dutzende  Verlage an und erhielt zum Teil monatelang keine Antwort. Oder eben Absagen. Danach verlegte ich mich auf Zeitschriften, denen ich meine einzelnen Geschichten anbot, doch auch dort stieß ich meist auf geschlossene Türen. Bis ich zum Fouqué Verlag kam. Als ich dann endlich mein erstes Buch in den Händen hielt, ( mit meinem Namen darauf) da wußte ich, daß es all die Mühen wert gewesen war.

Maria: In einem Interview erwähnten Sie "Das Papier ist mein Blitzableiter, ich erde meine Gedanken", das kommt besonders in Ihren Erzählungen zu tage. Sie schreiben von Liebe und Verzeihen, von Wiedergeburt und über Liebe die Zeiten überdauert. Haben Sie eine Geschichte die Sie besonders lieben?

Patricia Alge: Ja. "Die Träumerin" liegt mir auch heute noch sehr am Herzen. Die Idee dazu, hatte ich bereits viele Jahre in meinem Kopf, bevor ich sie überhaupt niederschrieb. Der Gedanke, daß man niemals alleine ist - daß es da jemanden gibt, der auf dich wartet - fasziniert mich noch heute.

Maria: Sie schreiben auch Kindergeschichten, haben Sie vor auch in diese Richtung etwas zu veröffentlichen?

Patricia Alge: Irgendwann vielleicht. Doch zur Zeit fehlt mir leider die nötige Zeit dazu.

Maria: Arbeiten Sie an einem neuen Roman und können Sie uns schon etwas darüber erzählen?

Patricia Alge: Gerade habe ich die Nachricht erhalten, daß auch mein neues Manuskript "Wann immer du mein Herz berührst" (Vorläufiger Titel) vom Heyne Verlag angenommen wurde. Ich freue mich riesig.
Die Geschichte spielt sich diesmal in Greenwich England um das 16. Jahrhundert ab.  Meine Heldin, Lady Alicia Wincliff, gilt in der adeligen Gesellschaft bestenfalls als ein geduldetes Original. Als jedoch die Handelsfirma ihres Vaters durch eine Schmugglerbande an den Rand des Ruins gelangt und sie nirgends Hilfe findet, entschließt sie sich den Gaunern auf eigene Faust das Handwerk zu legen. Dabei gerät sie in größere Gefahren und gemeinere Intrigen, als sie es sich jemals hätte träumen lassen. Besonders, als der berüchtigte schwarze Baron nach Greenwich zurückkehrt, scheint alles aus den Fugen zu geraten. Nicht zuletzt auch ihr ungestümes Herz.

Maria: "Die Träumerin" (aus ‚Von Liebe und anderen wichtigen Dingen’) hat mir besonders gut gefallen. Können Sie sich vorstellen diese Geschichte über Thenera zu einem Roman auszuweiten, z. B. einen Time Travel?

Patricia Alge: Diese Frage wurde mir schon sehr häufig gestellt. Doch ich glaube, gerade die Kürze dieser Geschichte macht den Reiz aus. Sie läßt Fragen offen, die sich jeder Leser selbst beantworten kann. Ich finde, einen Roman daraus zu schreiben, würde ihr eher Schaden. Aber wer weiß....
 
Maria: Was sind Ihre Lieblingsschriftsteller oder -bücher?

Patricia Alge: Wo soll ich da beginnen? Johanna Lindsey bleibt wohl immer meine absolute Favoritin. Ihre Bücher gehören fast alle zu meinen Lieblingsbüchern. Natürlich ist da auch noch Eve Byron,  Patricia Potter oder Agatha Christi. Ganz zu schweigen von Stephen King, dem König des Grauens...

Maria: Wie sehen Ihre weiteren Ziele aus?

Patricia Alge: Natürlich werde ich auch in Zukunft schreiben, schreiben und nochmals schreiben.

Maria: Ich möchte mich bei Ihnen ganz herzlich für das Interview bedanken. Wahrscheinlich kann ich nie wieder nach London ohne an Ihre Geschichte über die Entstehung des Nebels über London zu denken ("Am Ende war das Licht" aus ‚Von Liebe und anderen wichtigen Dinge’).  Viel Erfolg wünsche ich Ihnen weiterhin.

Patrica Alge: Ich habe mich zu bedanken. Dieses Interview hat mir großen Spaß gemacht.

© Jutta Maria Klein und Isolde Wehr, September 2000, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im September 2000 zwischen Jutta Maria Klein und Patricia Alge für:



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