"Das Schokoladenmädchen"

Autorin: Katryn Berlinger

Verlag: Weltbild, 2004, 444 S.

ISBN: 3-8289-7375-2

Bewertung: 3.5



1896: alles beginnt mit einem Schiffbruch vor der bretonischen Küste: die 18jährige Madelaine Gürtler, die mit ihrer Mutter auf dem Rückweg von Chile nach Hamburg ist, ist, gemeinsam mit dem Schweizer Zuckerbäcker Urs Sprüngli, der in Hamburg eine Konditorei besitzt und dem jungen schlesischen Zimmermann Rudolph Terschak, eine der wenigen Überlebenden. Die Gürtlers waren vor Jahren nach Chile ausgewandert, in der Hoffnung, es dort zu einem besseren Leben zu bringen - vergeblich; nachdem ihr Mann verstarb, machte sich Frau Gürtler mit ihrer Tochter auf den beschwerlichen Weg in die alte Heimat.

Madelaine, die nach dem Schiffsunglück nur die Möglichkeit sieht, zu ihrer Tante Marie und deren vielen Kindern in ein Hamburger Armenviertel zu gehen, wird von Urs Sprüngli das Angebot gemacht, sie könne in seiner Konditorei das Handwerk der Zuckerbäckerin erlernen. Nach einigem Zögern akzeptiert Madeleine den Vorschlag; sie entwickelt sich bald zu einem großen Talent im Bereich des Konditorei-Handwerks. Nach einem Zwischenfall mit dem gestrengen Lehrmeister Kloß entflieht Madelaine nach Riga, wo Sprüngli gerade dabei ist, eine Konditorei zu eröffnen. Sprüngli, der Madelaine heimlich verehrt, stellt sie als seine Geschäftsführerin ein; Madelaine mag ihn zwar auch sehr, aber mehr wie einen Vater-Ersatz; die richtige Liebe trifft sie erst, als sie den ungarischen Grafen Andras Mazary erblickt.

Doch Madelaine scheint schlechte Karten zu haben - sie hat sich aus einfachsten Kreisen hochgearbeitet; Andras stammt aus adliger Familie und ist noch dazu "beinahe verlobt" mit Sybill, der blassen Tochter des mächtigen und ausbeuterischen Industriellen Merkenheim. Noch dazu machen intrigante Damen der Rigaer Gesellschaft Madelaine das Leben schwer; Rudolph Terschak taucht als Mitglied einer sozialistischen Organisation auf, bereitet Revolutionen vor und will sich an Merkenheim, der seine Familie zerstört hatte, rächen; die Gesellschaft befindet sich in einer Zeit des Umbruchs. Hat da eine Liebe wie die von Madelaine und Andras überhaupt eine Zukunft?

Unterhaltsame, aber auch teilweise mühsam zu lesende Geschichte mit einem originellen Plot und Setting, und einer Fülle von Hintergrundinformationen, was manchmal jedoch etwas ermüdend ist. Auch wirkt der Schreibstil teils etwas "gedrechselt" bis "gewollt altmodisch".

Kritik geschrieben von Sabine R., 29.02.2004
 

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