"Die Pferdefrau"

Autorin: Jutta Beyrichen

Verlag: Droemer Knaur

Bewertung: 4.5

 

"Die Pferdefrau" ist eine wundervolle Geschichte über eine junge Frau, einen undurchsichtigen Iren und einen eigensinnigen Hengst.

Christine, eine junge Tierärztin aus Düsseldorf, reist nach einer großen Enttäuschung zu ihrem Vater Georg nach Irland, um dort zur Ruhe zu kommen. Georg lebt und arbeitet seit der Scheidung von Christines Mutter als Maler in einem kleinen Ort in der Nähe von Galway. Nach anfänglicher Befangenheit finden Vater und Tochter schnell wieder zueinander. Christine ahnt noch nicht, daß dieser Aufenthalt ihr ganzes Leben verändern wird.

Georg bewohnt ein kleines Cottage, das zum Grundstück des Reiterhofes der Familie O`Flaherty gehört. Da Christine eine begeisterte Reiterin und Pferdeliebhaberin ist, wird sie sehr bald Stammgast auf dem Gestüt. Mit Ruaidhri und Fiona, den mittleren der O`Flaherty Geschwister, freundet sie sich sehr schnell an und vor allem Ruaidhri wird mit seiner unkompliziert-draufgängerischen Art bald ein sehr guter Freund. Nur Denis, der älteste Bruder, behandelt Christine mit Arroganz und seine machomäßigen, manchmal ziemlich sexistischen, verbalen Angriffe bringen sie mehr als einmal auf die Palme.

Eines Tages sieht Christine auf einer abgelegenen Koppel einen einsamen, edlen Hengst. Von Ruaidhri erfährt sie, daß es sich dabei um Cuchulainn, ein früher sehr erfolgreiches Rennpferd handelt, das aber seit einiger Zeit dermaßen wild und störrisch ist, daß sich niemand in seine Nähe traut. Christine wird eines Tages unfreiwillig Zeuge, wie Denis - der normalerweise trotz seiner ungehobelten Art ein verantwortungsbewußter Pferdetrainer ist - mit Gewalt versucht, Cuchulainn zu zähmen. Christine erkennt sofort, daß der Hengst völlig verstört ist und beschließt, der Ursache auf den Grund zu gehen. Hinter Denis' Rücken versucht sie mit ungeheuerer Sensibilität und jeder Menge Geduld, das Vertrauen des Hengstes zu erlangen, was ihr schließlich irgendwann auch gelingt. Denis, der zwangsläufig eines Tages dahinterkommt, begegnet Christines vernünftigen Argumenten mit anmaßenden Bemerkungen und betrachtet ihre Bemühungen als Launen einer nicht ausgelasteten Frau. Trotzdem läßt er aber den Hengst absolut in Ruhe und Christine damit erstaunlicherweise völlig freie Hand.

Doch dann geschehen furchtbare Dinge auf dem Reiterhof. Eines Nachts beobachtet Christine, wie Denis auf dem Gelände herumschleicht. Am nächsten Tag wird der Hund von James, dem jüngsten O`Flaherty-Sproß, vergiftet aufgefunden. Alle außer Christine glauben zuerst an einen Unfall. Doch dann wird Bandit, Christines Lieblingspferd, in seiner Koppel erstochen aufgefunden und ein paar Tage später ein weiteres mit Messerstichen verwundetes Pferd, das Christine jedoch noch retten kann. Christine kann nicht verstehen, wieso Denis mit aller Macht verhindert, daß die Polizei benachrichtigt wird und hegt folglich einen schlimmen Verdacht. Doch dann kommt sie hinter Denis' dunkles Geheimnis und erkennt seinen wahren Charakter. Ohne lange zu überlegen ist sie bereit, ihm zu helfen.
 
Dieser Roman ist, obwohl er im Reitermilieu spielt, kein "Pferderoman" im herkömmlichen Sinne. Ebensowenig ist er ein Handbuch über den richtigen Umgang mit Pferden. Es ist auch kein gewöhnlicher Liebesroman. Vielmehr ist es eine Liebeserklärung an eine rauhe Landschaft und deren Bewohner, eine Geschichte voll tiefgreifender Gefühle und Emotionen, ein Roman über Freundschaft und Vertrauen und eine große Liebe.

Reviewed am 11.01.00 von Yvonne S.

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