Originaltitel: Artemisia ou la passion de peindre
Autorin: Marine Bramly
Verlag: Ullstein, 1998, 265 S.
ISBN: 3-548-24415-7
Bewertung: 4.5
Rom, 1610: die
siebzehnjährige Artemisia Gentileschi ist gerade dem verhassten
Kloster entkommen, in das ihre Stiefmutter sie gesteckt hatte.
Artemisia, Tochter des berühmten Malers Orazio Gentileschi,
praktisch im Atelier ihres Vaters aufgewachsen, möchte unbedingt
Malerin werden; sie hatte im Kloster, was strengstens verboten war,
heimlich, mit Hilfe eines Spiegels, Zeichnungen ihres Körpers
angefertigt und war entdeckt worden. Doch es ist nicht leicht, für
eine Frau der damaligen Zeit, sich einen solchen Wunsch zu
erfüllen; die ehrwürdige Kunstakademie nimmt sie nicht auf
(und das keinesfalls aus Mangel an Talent); die Arbeit mit
männlichen Aktmodellen ist Frauen nicht erlaubt - was Artemisia
jedoch nicht hindert, den mit ihr befreundeten jungen Fischer Fulvio zu
überreden, ihr Modell zu stehen.
Orazio Gentileschi hat den Auftrag erhalten, eine Kirche mit Fresken
auszuschmücken; diese Arbeit soll er sich mit Agostino Tassi
teilen, einem Florentiner Maler, der mit den neuesten Techniken der
Kunst vertraut ist, und einer der ersten, der nicht im Atelier, sondern
im Freien arbeitet. Artemisia ist fasziniert von Tassi; es gelingt ihr,
ihren Vater zu überzeugen, dass sie bei Tassi Privatunterricht
nehmen möchte, um ihre Kenntnisse zu vervollkommnen. Zwischen dem
Meister und seiner Schülerin entwickelt sich eine
leidenschaftliche und schicksalhafte Beziehung, die schließlich
zu einem unglückseligen, für alle Beteiligten
äußerst schmerzhaften und demütigenden Prozess
führt, hervorgerufen durch eine Anzeige Orazios, dass Tassi seine
Tochter vergewaltigt hätte.
In dieser in Ich-Form erzählten Geschichte blickt Artemisia auf
die intensivsten, turbulentesten und dramatischsten Jahre ihres Lebens
zurück; der Leser erhält auf spannende Art und Weise
Einblicke in das Leben der Barock-Künstlerin Artemisia Gentileschi.
Kritik geschrieben von Sabine R.,
29.07.2005