"Der rote Priester von Venedig"

Autor: Jim Cros

Verlag: Plots Edition Köln, 2000, 150 S

ISBN: 3-934599-00-1

Bewertung: 4.5


Anna ist kurzentschlossen nach Venedig gefahren; sie will Marco Fantini, den sie in Frankfurt auf einer Messe kennen gelernt hatte, überraschen und ihn von ihrer Liebe überzeugen. Doch sie trifft zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt in der Lagunenstadt ein - im Opernhaus wütet gerade ein Grossbrand, die Strassen sind abgesperrt und die Schifffahrtslinien eingestellt, sie kommt nicht zu ihren Hotel durch; schließlich geht Anna direkt zu Marcos Wohnung. Marco ist in größter Eile, er begrüßt sie nur ganz kurz und bietet ihr an, in seiner Wohnung zu bleiben, dann verschwindet er. Anna fällt während des Wartens ein altes Manuskript in die Hände; neugierig geworden, beginnt sie zu lesen, und wird in eine andere Zeit und Welt versetzt.

Marco, ein Priester, berichtet in diesem Manuskript von seiner Freundschaft zu Antonio Vivaldi; diese beginnt 1703, als die beiden jungen Männer die Priesterweihe ablegen. Antonio, der nur seiner Mutter zuliebe (sie hatte ein Gelübde abgelegt) den Priesterberuf ergreift, ist Musiker mit Leib und Seele; er träumt davon, eines Tages auch große Opern zu komponieren; doch dies ist Geistlichen nicht gestattet. So fällt er auch dem aus Rom angereisten Tommaso Ruffo, einem Abgesandten des Papstes, auf; Ruffo steht schon jeglicher Kirchenmusik äußerst ablehnend gegenüber.

Marco unterstützt Vivaldi (den man wegen seiner roten Haare bald nur noch den "roten Priester" nennt) so gut er kann, bei der Erfüllung seines Traumes; er hilft ihm, sich von der Pflicht, Messen lesen zu müssen, freizukaufen und verschafft ihm den Posten des Chorleiters im Waisenhaus für Mädchen "La Pieta". Dank Vivaldis Leitung wird der La Pieta Chor bald der berühmteste Chor Venedigs; doch Vivaldi ist nicht zufrieden mit diesem Leben, nebenbei komponiert er wie besessen Konzerte und seine erste Oper, deren Aufführung er insgeheim plant. Seine Primadonna hat ihm der Zufall bereits zugeführt; es ist die junge hochbegabte Anna Giro, der er geholfen hat, aus dem Palazzo von Girolamo Gritti, einem reichen Nichtsnutz, zu entkommen.

Doch durch die Entführung Annas hat sich Vivaldi einen Feind geschaffen, der ihn lebenslang verfolgen wird; Gritti versucht mit allen Mitteln Vivaldi zu ruinieren, seine Erfolge und Pläne zunichte zu machen, bis zum bitteren Ende.

Interessante, spannend erzählte Geschichte über das tragische Schicksal eines der größten Genies der europäischen Musikgeschichte - hätte ruhig etwas länger sein können. Sehr zu empfehlen.

Kritik geschrieben von Sabine R. am 06.06.2004

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