"Mein Name ist Afra"

Autorin: Angela Dopfer-Werner

Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag, 
2002, 335 S.

ISBN: 3-596-15244-5

Bewertung: 4.5
 

Dieser Roman verfolgt das Leben zweier Frauen aus dem einfachen Volk des Mittelalters: im Jahre 939: in Pitengouua (dem heutigen Peiting), einem kleinen Dorf im Lande Baiern, wachsen die beiden Freundinnen Afra und Richlint auf; die achtjährige Afra ist die Tochter des Meiers Wezilo, des wichtigsten Mannes im Dorfe und lebt zusammen mit den Eltern und ihrer älteren Schwester auf dem Meierhof; die um ein Jahr jüngere Richlint ist, wie ihre schöne Mutter Folchaid, eine Unfreie, obwohl Folchaid die so genannte Friedelfrau (= Geliebte) des Grafen Eticho aus Altdorf ist. Das Leben ist hart im Dorf, doch die Unfreien haben es noch schwerer als die freien Bauern; sie haben keinerlei Rechte, müssen tun, was von ihnen verlangt wird und sind völlig von den Launen ihrer jeweiligen Herren abhängig.

Als Graf Eticho stirbt, befürchtet Richlint, samt ihrer Mutter und ihren Geschwistern an fremde Herren verkauft und so von ihrer Freundin Afra für immer getrennt zu werden; doch der Bruder des Grafen gibt Folchaid und ihren Kindern die Freiheit; endlich werden sie von den sonst so missgünstigen und misstrauischen Dörflern anerkannt und respektiert. Doch die glückliche Zeit währt nicht lange; immer wieder in Baiern einfallende ungarische Kriegerhorden überfallen auch Pitengouua, dabei kommen auch die Mütter der beiden Freundinnen um. Es dauert einige Jahre, bis sich die Dorfgemeinschaft von den Plünderungen und Verwüstungen durch die Ungarn wieder halbwegs erholt hat, und das Leben einen normalen Gang geht. Nachdem Afras Schwester Walburc bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt, muss nun Afra verheiratet werden, damit der Meierhof einen Nachfolger hat, und auch Richlint wird ebenfalls einem Mann gegeben.

Afra ist zufrieden mit der Wahl des Ehegatten; Leonhard vom Haslachhof ist ein freundlicher und recht liebenswürdiger Mann, den Afra bald lieben lernt; Richlint, die schon immer aufbegehrte gegen ihr Schicksal und ihr Leben selbst bestimmen möchte, wehrt sich gegen die Heirat mit Leonhards Bruder, der sie jedoch nicht entgehen kann; sie ist zutiefst unglücklich in ihrer Ehe. Richlint kämpft weiterhin für ihre Freiheit und Unabhängigkeit; und endlich einmal kann sie das von ihr so lange erträumte Glück erleben - doch hat ihre wahre Liebe eine Chance?

Spannende, mitreißende, farbig und lebendig erzählte Geschichte über das Leben in einem Bauerndorf im Mittelalter, erzählt aus der Perspektive zweier junger Frauen aus dem einfachen Volk; sehr empfehlenswert.
Kritik geschrieben von Sabine R., 10.10.2003

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