"Prinz der Kelche"

Originaltitel: Prince of Cups, 1995

Autorin: Gayle Feyrer

Verlag: Heyne 1997 (Neuauflage 2001)

Genre: Historical

Bewertung: 5.0

Florenz 1496:

Unter dem Einfluss des Mönchs FraGirolamo Savonarola macht sich Intoleranz und religiöser Fanatismus in der Stadt breit. Veronica della Montana, die von ihrer Familie mit dem geistig zurückgebliebenen Roberto verheiratet wurde, hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden, denn die Tarot-Karten ihrer Urgroßmutter Lucia und ihre eigenen Visionen verheißen ihr großes Liebesglück. Der ‚Prinz der Kelche‘ wird in ihr Leben treten und sie wartet sehnsüchtig auf sein Erscheinen. Wegen ihres lüsternen und boshaften Schwiegervaters Luigi lebt sie lieber mit dem kindlich-gutmütigen, aber leicht erregbaren Roberto im Haus ihres Vetters, des wegen seines Lebenswandels verrufenen aber liebenswürdigen Malers Daniele Danti.

Antonio di Fabiani ist nach Jahren als Söldner im Ausland in seine Heimatstadt Florenz zurückgekehrt, da seine Mutter im Sterben liegt und der Vater endlich den Bann gegen ihn aufgehoben hat, den er nach dem Tod von Antonios untreuer Frau und seines Bruders, des Lieblingssohns, gegen ihn verhängt hatte. Der Makel, Tod am Schuld der beiden zu sein, lastet immer noch schwer auf Antonio und auch die sinnlosesten Kriege und wildesten Ausschweifungen in Gesellschaft der berühmt-berüchtigten Borgia in Rom, konnten nicht über die Leere in seinem Leben hinwegtäuschen.

Als er mit seiner neuen kostspieligen Geliebten, der kühlen, berechnenden Bianca das Atelier des Malers Danti besucht, trifft er auf Veronica, die gerade in Männerkleidung für ein Gemälde Modell steht. Vom ersten Augenblick an lodert die Leidenschaft zwischen Antonio und Veronica hoch und als Antonio sie bei seiner eigenen Vermählung mit Robertos Halbschwester Dorotea - ein Wunsch seiner sterbenden Mutter - als Mitglied seiner neuen Familie wieder trifft, muss er erkennen, dass sie nicht nur ein kleines Malermodell ist, mit dem der sich da vergnügt hat, sondern die ‚selvaggia‘, das wilde Mädchen mit dem Zigeunerblut, das schwarze Schaf der Familie. Er fühlt sich von ihr betrogen und außerdem hält er sie für treulos, und obwohl beide nicht voneinander lassen können, endet jede Begegnung damit, dass Antonio sie demütigt. Aber selbstgegenseitiges Misstrauen, seine bittere Vergangenheit und gemeine Intrigen ihrer Feinde können auf Dauer nicht verhindern, dass beide ihre tiefe Liebe füreinander erkennen - allerdings sind sie verheiratet und zwar nicht miteinander. Auch die Hindernisse, Gefahren und Feinde für beide sind zahlreich, was auch die Tarot-Karten bestätigen...

‚Prinz der Kelche‘ ist ein so abwechslungsreicher und farbiger Roman, der nicht nur interessant von der Geschichte der Stadt Florenz erzählt, sondern auch Gestalten wie Lucrezia Borgia, Niccolò Machiavelli oder Sandro Botticelli zum Leben erweckt. Die Handlung ist rasant und vollgepackt mit allerlei Dramatik und großen Leidenschaften. Es gibt eine Fülle sehr lebendig geschilderter Nebencharaktere, von der kaltherzigen Bianca über Antonios schwärmerischen Vetter Stefano bis hin zu dem schrulligen Diener Giacomo, der sich ständig mit seinen Füßen unterhält. Wer sich bei diesem Buch langweilt, ist selber schuld!

Eine kleine Warnung: Die Geschichte ist erotischer als der Durchschnitts-Liebesroman und die Autorin bricht hier eine eiserne Regel der klassischen 'Romances': der Held hat nämlich, nachdem er mit der Heldin intim war, noch zahlreiche Geliebte - bis er seine wahre Liebe erkennt, versteht sich.

Review von Ina D., 02.09.2001

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