"Schimmer der Vergangenheit"

Deutsche Erstausgabe: von September 2005

Autorin: Joy Fraser

Verlag: Moments, ISBN: 3-937670-25-4

Bewertung: 4.5

Inhalt:

Isabel und ihre drei Freundinnen begeben sich auf eine Reise nach Mexiko, mit Flugangst im Gepäck und Unternehmungsgeist. Allerdings vergeht ihnen die Abenteuerlust, als sie auf dem letzen Stück des Weges eine Bruchlandung erleben und am Ende zusammen mit dem Piloten des Buschhoppers wieder in Frankfurt landen. Dabei hat sich jedoch die Zeit stark verschoben, denn sie landen am Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Schwierigkeiten sind vorprogrammiert, denn das Aussehen der Frauen und auch ihre Sprechweise, machen sie verdächtig. Erst als sich eine wohlhabende Kaufmannsfrau um sie kümmert, können die Frauen wieder Hoffnung schöpfen, dass sie nicht im Gefängnis bleiben müssen. Ihre Identität dürfen sie jedoch nicht offenbaren. Als dann auch noch Jack, ihr Pilot auftaucht, sind sie zwar froh, dass alle überlebt haben, es fällt ihnen jedoch nicht leicht, sich in der neuen alten Zeit zu Recht zu finden.

Der Sinn ihrer Reise in die Vergangenheit erschließt sich der Gruppe nicht sofort, doch mit der Zeit erkennen alle, das ihr Erlebnis sich auch auf die Gegenwart auswirkt.

Meine Meinung:

Der Klappentext wirft ein ganz anderes Bild auf das Buch, vielleicht ist die Kombination für eine potentielle Leserin das Richtige? Allerdings ist mir, als Liebhaberin historischer Romane, der geschichtliche Aspekt im Klappentext zu kurz gekommen. Dachte ich am Anfang noch, ich würde eine Art ‚Insel der fünf Frauen' erleben, die mich vor vielen Jahren einmal begeistert hatte, heute aber nicht mehr reizt, wurde ich schnell in mein vertrautes Genre hineingezogen und erlebte eine überraschende Verquickung, die mich begeistert hat.

Ein ungewöhnlicher Blickwinkel auf die Geschichte, und damit einmal ein erfrischender Ausbruch aus dem Schema 'Die BrillenmacherIN', Die BuchmalerIN ‚Die …in' - Schema, der derzeitigen Historien-Romane, auch wenn es sich hier um einen Time-Travel-Roman handelt.

Man muss keine historischen Romane lieben, um dieses Buch zu mögen, nur ein wenig an den eigenen Wurzeln interessiert sein. Joy Fraser gelingt es diesen Faden logisch und spannend zu spinnen. Der Vergleich heute / gestern ist so unaufdringlich gelungen, keine Belehrungen, einfach aus der Geschichte heraus begründete Notwendigkeiten vermischt mit aktuellen Personen. Nebenher ist eine schöne Liebesgeschichte eingebunden, eine ordentliche Portion Schamanismus, die sicherlich durch die kanadischen Erfahrungen der Autorin mit geprägt wurden.

Die ganze Geschichte ist dann auch noch erklärbar. Die Auflösung ist für den historischen und den gegenwärtigen Zweig voll befriedigend - was will das Leserherz mehr?

Ausstattung? Die ist hier in bewährter Moments-Qualität zu finden. Lesebändchen, hübsche Kapiteltrenngrafiken, dieselben farbigen Soft-Cover für Schutzumschlag und Buch.

Einen Schreibstil, der aktuell und humorvoll ist? Dann sollte es kein Zögern mehr geben, denn den hat Joy Fraser auch, ein Blick auf den Textauszug auf ihrer Homepage überzeugt davon sehr schnell. Trockener Humor, realistische Selbsteinschätzungen der Protagonisten, Ironie - mich hat dieser Stil und dieses Buch begeistert.

Kritik geschrieben von Binchen, 04.03.06
 

|| Zurück zu Zeitreiseromanen || Zurück zu Buchkritiken || Zurück zu Neuerscheinungen || Zurück zur Hauptseite ||