"Glücksspieler"

Autorin: Amelie Fried

Infos: 3 CDs (2 MCs), gekürzte Lesung,
gelesen von Amelie Fried (Autorenlesung), 
Laufzeit: 178 Min. (53 Tracks), Heyne Hörbuch Verlag

Preis: 20,00 €

Bewertung: 4.0

Kim, allein erziehende Mutter von zwei Mädchen, verdient ihr Geld indem sie gegen Bezahlung mit Männern schläft. Eines Tages tritt Gregor in ihr Leben. Kim wurde ihm empfohlen und er verbringt eine Nacht mit ihr bei der er einen Schwächeanfall erleidet. Kim ruft ihre Schwester Mona an, die einst Medizin studiert hat, denn Gregor will nicht das ein Arzt gerufen wird.  Mona kann ihm helfen und weiß auch den Grund, warum Gregor keinen Arzt will: Er ist mit einer der reichsten Frauen  Deutschlands verheiratet und möchte nicht, dass jemand davon Wind bekommt, dass er sie betrügt. Diese neue Erkenntnis will Kim sich zunutze machen und versucht Gregor zu erpressen. Sie kann nicht ahnen, dass sie Gregor dadurch auf einen Gedanken bringt, der fatale Folgen für ihrer aller Leben haben wird.

So viel zum Inhalt. Und dann ist dazu nächst das Vorurteil (ja - ich hatte es!): Ein Hörbuch von Amelie Fried. Die Inhaltsangabe hörte sich viel versprechend an, abe rob das wirklich was für mich ist?

Schon nach ein paar Minuten fing das Hörbuch an mir zu gefallen. Eine interessante Geschichte, Charaktere in die ich mich hineindenken- und fühlen konnte, die mir mit jedem Stück der Handlung wichtiger wurden und mehr ans Herz wuchsen. Viele Verwicklungen, an manchen Stellen vielleicht zu viele. Dies stört für mein Empfinden jedoch nicht den Genuss an der Geschichte. Es ist mir lediglich aufgefallen. Es kann aber auch durchaus möglich sein, dass es an der gekürzten Fassung des Hörbuchs liegt, dass es ein bisschen zu sehr Schlag auf Schlag zugeht.

Je weiter die Geschichte jedoch gedieh, umso mehr wurde ich davon mitgerissen. Jede Figur für sich auf der Suche nach dem eigenen Glück: Mona, die stets zurückgestanden hat, Kim, die nicht an die Liebe glaubt und sie doch insgeheim sucht, Gregor, der eigentlich alles hat aber doch nie zufrieden und ständig auf der Jagd ist, Helen, die das betrogen und hintergangen werden leid ist, Berger, der hartnäckig an seine Liebe glaubt und geradlinig seinen Weg geht...

Zuweilen glaubte ich beim Hören das Ende schon zu kennen. Alle auf der Suche nach dem Glück und am Ende wird es jeder finden, außer Gregor, der es nicht verdient zu haben scheint. Doch ich habe mich geirrt. Vielleicht hätte ich dem Titel größere Beachtung schenken sollen, denn "Glücksspieler" spielen oft um Alles oder Nichts. Dieses Buch ist kein Lebensrezept nachdem das Glücklichsein funktioniert, sondern es ist wie das Leben selbst: Nicht immer gerecht, aber ohne Einsatz hat man sowieso verloren. Und somit setzen die "Mitspieler" dieses Buches auf volles Risiko. Doch nicht jeder kann gewinnen, manch einer verliert alles, andere erkennen, dass das Glück in einem wohnt und nicht im Nervenkitzel des Spiels.

Fazit: Ich bin froh Amelie Fried eine Chance gegeben zu haben; es wird mit Sicherheit nicht die letzte gewesen sein, sondern die erste. Die Autorin hat ein ausgesprochenes Erzähltalent. Charaktere und Handlung sind so echt geschildert, dass sie lebendiger nicht sein könnten. Ein tolles Buch, das Sehnsüchte weckt und Wunden hinterlässt. Bloße Unterhaltung - toll gemacht, gewürzt mit einer Prise sarkastischen Humors! Und zum Schluss sogar mehr als das, denn das Ende stimmt doch sehr nachdenklich. Zum Hörbuch noch eine Anmerkung: Ich fand es gut, dass die Autorin die Geschichte selber liest. Autorenlesungen sind halt immer etwas besonderes. Eine angenehme Stimme und gut vorgetragen. Wenn es auch sicher geschultere Sprecher gibt, so hat sie ihre Sache doch auch in dieser Hinsicht wirklich gut gemacht.

Kritik geschrieben 06.06.2002von Petra vom Bücherforum

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