"Trügerische Ruhe"

Autorin: Tess Gerritsen

Verlag: Blanvalet

Genre: Mystery

Bewertung: 3.5

Dr. Claire Elliot zieht mit ihrem Sohn Noah in den kleinen Ort Tranquility, wo sie eine Praxis eröffnen möchte. Das Provinznest in Maine macht seinem Namen allerdings keine Ehre, denn es wird von einer Serie von Jugendverbrechen heimgesucht. Die plötzlichen wilden Ausbrüche der Jugendlichen fordern mehrere Todesopfer, zu denen auch Noahs Biologielehrerin gehört: Sie wird von einem Schüler während des Unterrichts erschossen. Als auch Noah sich immer seltsamer benimmt, beginnt Claire zusammen mit dem Chef der örtlichen Polizei, Lincoln Kelly, nach den Ursachen der Gewalt zu forschen. Schon bald machen die beiden seltsame Entdeckungen: Im nahe gelegenen Wald wachsen mysteriöse blaue Pilze und im Lake Locust taucht ab und zu eine grünlich phosphoreszierende Masse auf. Dann erfahren Claire und Kelly, dass es bereits vor fünfzig und vor hundert Jahren zu ähnlichen Begebenheiten gekommen ist. Könnte vielleicht ein Parasit die Gewaltattacken auslösen? Von dieser Theorie wollen die Einwohner von Tranquility allerdings gar nichts wissen, weil sie um ihre Einnahmen aus dem Tourismus fürchten. Claire und Chief Kelly müssen den Kampf ganz alleine aufnehmen - und die Zeit drängt ...

Nachdem ich von "Die Chirugin" so begeistert war, war ich neugierig auf weitere Romane der Autorin. "Trügerische Ruhe" spielt jedoch in einer anderen Liga. Es ist spannend, verzwicket und die Handlung schlägt Hacken, dass jedem Krimirätsler das Herz höher schlägt. Ich war verblüfft, welche und besonders, wie viele Theorien Tess Gerritsen als Lösung anbietet. Die Frau scheint nicht nur ein ungeheures Wissen in Bezug auf Medizin, sondern auch auf andere Naturwissenschaften. Wirklich toll! Ich bin wirklich begeistert vom gekonnten, leichten, aber doch präzisen Stil der Autorin.

Doch trotz alledem hat mich etwas gestört. Die Story selbst weist einfach zu viel Mängel auf. Sie ist so voller Klischees und Stereotypen, dass man die Lust an der Charakteren verliert. Claire definiert sich über ihre Rolle als perfekte Ehefrau und Mutter, der Naturwissenschaftler ist ein chaotischer Kauz aber so ein guter Freund, Noah ist erst perfekt und als pubertierender Teenager dann verschlossen, was seine Mutter (eine Ärztin!!!) soooo wundert, der Sheriff ist von persönlichen Schicksalsschlägen gezeichnet, aber dennoch perfekt ...

Nein, hier fühlte ich mich als Leser nicht ernst genommen. Die Figuren bleiben für mich blutleer und stellenweise unglaubwürdig.
Auch über das Ende habe ich mich etwas geärgert. Eigentlich war alles da: gute Theorien, logische Schlussfolgerungen, Historie. Eine perfekte Mischung zwischen Thriller, Wahrheit und ein wenig Horror! Man konnte sozusagen bereits etwas "Akte X"-Luft schnuppern. Aber dann wählt die Autorin für mich eine zu dünne Auflösung. Mag sein, dass sie Sinn macht, aber sie ist sehr amerikanisch und für mich hat sie einfach nicht gehalten, was die Geschichte verspricht.

Aus diesem zwiespältigen Gefühlen heraus, fällt es mir schwer den Roman zu beurteilen. Ich werde sicher weitere Bücher der Autorin lesen, da sie einfach "Pageturner" schreibt. Allerdings hat dieses Werk mich nicht erobert.
Fazit: Unbefriedigend!

Reviewed von Tara am 17.06.04

Weitere Bücher der Autorin:


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