"In der Schwebe"

Amerikanischer Originaltitel: Gravity

Autorin: Tess Gerritsen

Verlag: Blanvalet, 2001

Bewertung: 5.0

Wissenschaftsthriller über das biologische Armageddon

Die Ärztin Emma Watson konnte ihren Traum verwirklichen. Sie ist Astronautin bei der NASA und bereitet sich gerade auf eine weitere Mission vor. Über ihre Karriere ist leider ihre Ehe zerbrochen. Ihr Noch-Ehemann Jack McCallum, ebenfalls Arzt, gehörte auch dem Raumfahrtprogramm an. Als bei ihm aber kurz vor einem Flug ins All ein Nierenstein diagnostiziert wurde, war seine aktive Laufbahn vorbei. Weil er nicht nur stiller Beobachter oder Experte in der Bodenkontrolle sein wollte, zog er sich völlig aus der Zentrale in Houston zurück. Für Emma und Jack ist die Scheidung schon beschlossene Sache, selbst wenn bisher keiner der beiden den endgültigen Schritt gewagt hat.

Als einer der Besatzungsmitglieder der internationalen Raumstation die Nachricht erhält, dass seine Frau tödlich verunglückt und kurz darauf gestorben ist, wird seine Ablösung beschlossen. Emma wird als Ersatz vorzeitig hochgeschickt, um die wissenschaftlichen Experimente weiter zu betreuen. Schon kurz nach ihrer Ankunft auf der ISS sieht sie sich in einer schwierigen Situation. Ein Crew-Mitglied erkrankt schwer. Die Ärztin ist trotz Unterstützung des medizinischen Teams auf der Erde nicht in der Lage, dem Patienten zu helfen, und der Astronaut stirbt. Das tote Besatzungsmitglied wird von einem anderen Shuttle geborgen, dieser Leichentransport endet für die Mannschaft des Raumgleiters tragisch. Sie erkranken beim Rückflug schwer, bei der Notlandung kommen auch sie ums Leben.

Die Lage wird immer bedrohlicher, als auch auf der ISS nacheinander die Astronauten erkranken. Emma und die Bodenkontrolle suchen nach der Ursache und stoßen bei einem der gesponserten Experimente auf einen unbekannten Organismus, der sich in der Schwerelosigkeit verändert hat. Für die neue Seuche ist kein Heilmittel in Sicht, wenn man sich erst einmal angesteckt hat. Die Astronauten werden auf der Raumstation unter Quarantäne gesetzt und ihr Schicksal scheint besiegelt. Denn mittlerweile haben sich die nationalen Sicherheitsbehörden und Spezialeinheiten der Armee eingeschaltet. Jack versucht mit allen Mitteln seine Frau zu retten, die er immer noch liebt.

Tess Gerritsen hat erst kürzlich mit ihren Thrillern „Die Chirurgin“ und „Der Meister“ wieder ihre Klasse bewiesen. „In der Schwebe“ ist sogar noch besser. Die Autorin versteht es, das medizinische Fachwissen aus ihrer ersten Karriere als Ärztin und ihre Recherchen über die Raumfahrt und andere Wissenschaftsgebiete so in ihren Roman einfließen zu lassen, dass sie eine gehaltvolle Unterstützung für eine wahnsinnig spannende Story darstellen, ohne das Ganze jemals überladen wirken zu lassen.

Faszinierend sind ganz besonders ihre Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze - ob nun die beklemmende Enge in einem Mini-U-Boot in der Tiefsee im Prolog oder die Schwerelosigkeit auf der ISS. Gerritsen hat das klasse Talent dem Leser den Eindruck zu vermitteln, man sei hautnah dabei. Man taucht im wahrsten Sinne des Wortes ein in die Geschichte - in den Galapagos-Graben und die Tiefen des Weltalls. Nachdem das Buch beendet ist, begibt man sich ganz langsam wieder auf den Rückflug zur Erde.

Auch die Entwicklung in der Beziehung von Emma und Jack wirkt glaubwürdig. Zwei Menschen, die noch immer sehr viel füreinander empfinden, aber nicht damit zurechtkommen, dass nur eine das gesteckte Ziel erreicht hat. Die Nebenfiguren sind in der Geschichte nicht nur Komparsen, sie werden ebenfalls plastisch dargestellt. Dadurch wird dieser atemberaubende Wissenschaftsthriller noch abgerundet.

Reviewed von TINA am 27.06.2004

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