"Der Club der Gaunerinnen"

Originaltitel: Pen Pals

Autorin: Olivia Goldsmith

Verlag: Limes HC

Preis: EUR 19,90

Bewertung: 4.0

Jennifer Spencer ist an der Börse beschäftigt, erfolgreich! Sie könnte eigentlich recht zufrieden sein, hat sie sich doch auch den gut aussehenden Anwalt Tom Branston geangelt. Beide arbeiten in der selben Investmentfirma. Jennifer strebt aber nach Höherem, sie will unbedingt eine Teilhaberschaft in ihrer Firma erreichen. Sie wittert daher ihre Chance, als ihr Boss wegen verbotener Insidergeschäfte erwischt wird. Da ihr alle versichern, dass die Anklage nur Formsache ist, sie überhaupt nichts zu befürchten hat, geht Jennifer auf das Betrugsmanöver ein, und spielt den Sündenbock.  Als Belohnung hat man ihr die Teilhaberschaft versprochen. Als das Gericht ihr fünf Jahre Freiheitsentzug aufbrummt, fällt sie daher aus allen Wolken. Tom verspricht ihr aber weiterhin, dass es sich nur um Tage handeln wird, ehe sie sich wieder auf freiem Fuß befinden wird.
Diese Hoffnung hält sie aufrecht, lässt sie die Demütigungen und miserablen Verhältnisse ertragen. Bis eines Tages Tom sie im Gefängnis besucht, die Verlobung löst und sogar behauptet, sie hätte die Tat selbst begangen. Aller Illusionen beraubt, ist sie total am Boden zerstört und rastet schließlich aus. Danach kommt sie in die Gruppe um Movita Watson, was für Jennifer ein glücklicher Umstand ist. Movita ist die geborene Führerin, aber auch warmherzig. Sie fördert den Zusammenhalt der Frauen, Geschenke werden geteilt, Verzweifelte mit Zuspruch wieder aufgerichtet.

Eines Tage bekommt Movita per Zufall Einblick in Papiere, die nichts Gutes bedeuten. Das Gefängnis soll an eine private Gruppe verkauft und umorganisiert werden. Das würde für die Frauen noch elendere Verhältnisse und Versklavung bedeuten. Da Jennifer die besten Kenntnisse über die Börse hat, bittet Movita sie um Hilfe. Nach anfänglichem Sträuben, kommt Jennifer schließlich auf eine brillante, aber ungeheuerliche Idee: Sie müssen das Gefängnis selbst kaufen. Die Idee wird schließlich umgesetzt. Hilfe findet Jennifer in einem treuen Freund und Geschäftskollegen und in den reichen Söhnen einer mit inhaftierten Frau.

An diesem Buch werden sich wohl die Geister scheiden. Angepriesen wird es als Rache-Komödie, die Rache stimmt schon, aber Komödie, mitnichten! Goldsmith hat hier einen Roman geschrieben, zwar gut verpackt, der die Missstände im amerikanischen Strafvollzug anprangert. Man kann der Autorin hierfür nur Respekt zollen, dass sie solch ein heißes Eisen angepackt hat. Mich ärgert nur, dass der Käufer in die Irre geführt wird, mit dem Schlagwort Komödie. Es ist doch klar, dass es bei solch einem ernsten Hintergrund nicht viel zu lachen gibt. Der Leser muss sich darauf einstellen, dass die Geschichte fast ausschließlich im Gefängnis spielt, somit auch auf einige unappetitliche Einzelheiten gefasst sein. Gegen Ende des Buches wird es dann etwas lockerer. Kein Gag ist (wie ich zuerst vermutet hatte), die Privatisierung von amerikanischen Gefängnissen.

Kritik geschrieben am 04.09.03 von Uschi

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