"Die Woodlanders"

Autor: Thomas Hardy

Genre: Sonstiges/ Klassiker

Bewertung: 5.0

Das Buch ist zwar kein Liebesroman in modernem Sinne, doch mich hat die Dramatik so sehr berührt, dass ich dieses Buch auch anderen Leser empfehlen möchte.

In "Die Woodlanders" geht es um eine 20jährige Frau, Grace Melbury, die zurück nach Hause, nach "Little Hintock" kommt. Sie ist die Tochter eines gut betuchten Holzhändlers, der alles tut um seiner Tochter eine gute Erziehung zu geben und so musste Grace bereits in Kindesalter eine entfernte Schule besuchen. Im Laufe der Geschichte stellt es sich heraus, dass Grace darüber nicht glücklich war, da sie sich doch mit ihrem kleinen Volk verbunden fühlt, denn "Little Hintock" liegt in einem Niemandsland und lebt nur von der Holzproduktion und von der Apfelernte. Der nächst größere Ort ist "Great Hintock" und selbst der Frisör von dort, geht nur ungern nach Little Hintock. Aber so beginnt die Geschichte, mit dem Frisör der nach Little Hintock kommt, um einen Auftrag auszuführen. Wie alles in diesem Roman steckt auch hinter diesem Besuch einen Sinn, der die Geschichte später zu seinem Höhepunkt treibt: Vorsichtig schritt er über das Laub, das den Weg oder die Straße zu dem Weiler fast unter sich begrub. Da abgesehen von ihnen selbst nur sehr wenige Leute diesen Weg nach Einbruch der Dunkelheit gingen, hielten die meisten Einwohner von Little Hintock Vorhänge für unnötig; und so kam es, dass der Besucher angelegentlich vor den Fenstern der Katen, an denen er vorbeikam, stehen blieb. Seine Haltung zeigte deutlich sein Bemühen, aus den Menschen und Dingen, die er drinnen beobachtete, auf die Lebensumstände des einen oder anderen Bewohners zu schließen. Nur die kleineren Häuser interessierten ihn. Doch Grace ist in ihrem Stand des gebildeten Mädchen gespalten. Sie ist die gehorsame Tochter ihres Vater und seinen Wünschen ergeben und noch sehr kindlich. Eigentlich ist sie Giles Winterborne versprochen, doch durch die lange Zeitspanne der Trennung sind sich die beiden sehr fremd.

Sie sehnt sich nach intelligente Gespräche und Bildung. Da Giles ein sehr ruhiger Mann ist und sich ihrer nicht würdig fühlt, unternimmt er keine Anstrengungen Grace intensiver zu umwerben. Als der neue Arzt sich um Grace bemüht und durch seine leidenschaftliche Art ihre Unsicherheit überbrückt, willigt sie in eine Ehe ein, die ihr Vater unterstützt, denn dann wären all seine Bemühungen um eine gute Erziehung nicht umsonst gewesen. Ein Arzt wäre für die Familie ein Aufstieg. Jedoch sind die Sitten streng. Die Heirat des Arztes mit Grace schadet dessen Ansehen und seine Patienten dezimieren sich: "Es geht um das, was die Leute wegen Ihrer überstürzten Heirat sagen, Dr. Fitzpiers. Weil sie nämlich nicht mehr glauben wollen, dass Sie so gescheit und heilkundig sind wie früher angenommen, seit sie gesehen haben, dass Sie in Mr. Melburys Familie hineingeheiratet haben, der doch auch nur in Hintock geboren ist wie wir." "Sollen sie's ruhig glauben", entgegnete Fitzpiers und gestand sich nicht ein, dass er zusammenzuckte....und so nimmt das Unglück seinen Lauf.

Höchst dramatische Wendungen ließen mich das Buch kaum aus der Hand legen. Erdverbundene Weisheiten und der Wechsel der Jahreszeiten gehören zu den "Woodlanders" wie ihre ruhige Art, das Schicksal das ihnen beschert ist, anzunehmen. "So ist das mit Ehepaaren. Die versöhnen sich auf alle möglichen komischen Arten", sagte der Rindenschäler. "Ich hab' eine Frau gekannt, der war vor vierundzwanzig Jahren der Mann davongelaufen. Und eines Abend kommt er heim, wie sie grad am Feuer sitzt, und setzt sich in die andere Ecke vor den Kamin. 'Na', sagt sie, 'gibt's was Neues?' -- 'Nicht dass ich wüsste', sagt er. 'Und bei dir?' --- 'Nichts', sagt sie.... Am Ende des Romans ist es schwer zu sagen, ob Grace wirklich weiß, was es heißt zu lieben.   Aber sie ist erwachsener geworden und zum Schluss schließt sich der Kreis und jeder ist an seinem "richtigen", wenn auch traurigen Platz.

Eine Roman, für die zu empfehlen, die auch gern die Brontes lesen.

Review von Maria, 09.03.03

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