"Allie's Moon"

Originaltitel: 2000

Autorin: Alexis Harrington

Verlag: St. Martin’s Press, (307 S.)

ISBN: 0-312-97307-1

Genre: Historical

Bewertung: 4.5

1880, Decker Prairie, Oregon: Jefferson Hicks ist in den letzten drei Jahren so tief gefallen, wie ein Mann nur fallen kann, aber das ist ihm vollkommen egal. Als er eines Morgens in einen Hühnerstall einbricht, um wie gewöhnlich sein Frühstück zu klauen, wird er erwischt und schließlich in Gewahrsam genommen. Sheriff Will Mason, ein alter Freund aus guten Zeiten und Jeffs Nachfolger als Gesetzeshüter der Stadt ist jedoch davon überzeugt, dass Jeff wieder auf die Beine kommen kann, wenn er nur eine Chance bekommt. Also nutzt er seine Macht und stellt Jeff vor die Wahl: entweder wird er einen Monat in einer Zelle verbringen, oder er wird den Sommer über auf der sehr vernachlässigten Ford-Farm arbeiten und den beiden Frauen, die dort leben unter die Arme greifen. Jeff ist zunächst entsetzt über das Ausmaß seiner Strafe - hat er doch nur ein Ei gestohlen - doch er erkennt wie ernst Will es meint und entscheidet sich für die harte Arbeit auf der Farm. Wenigstens ist er dann nicht dazu verdammt tagelang in einer Zelle zu sitzen und sich von alten, schmerzhaften Erinnerungen und Schuldgefühlen quälen zu lassen, die seinen Absturz verursachten.

Als Althea Ford den Mann sieht, den der Sheriff zu ihr bringt, ist sie alles andere als erfreut. Was soll sie mit einem abgemagerten, völlig verdreckten Trunkenbold, der zum Himmel stinkt, wenn sie ein paar kräftige Hände braucht, die bei der schweren Arbeit zupacken können? Doch Sheriff Masons eindringliche Bitte und die Tatsache, dass sie keinen anderen Mann für die Arbeit finden konnte, überzeugen sie schließlich, Jeff Hicks bei sich aufzunehmen.

Anfangs hat Jeff zu schwer mit den Entzugserscheinungen zu kämpfen, um sich für die „verrückten Ford-Schwestern“ zu interessieren, doch es dauert nicht lange und er bemerkt, dass Allie nicht die verschrobene alte Jungfer ist, als die sie in der Stadt verschrien ist. Sicher hat sie ein paar Eigenarten, wie die panische Angst vor der Scheune, den starken Drang, jedes noch so winzige Unkraut von den Gräbern ihrer Eltern fernzuhalten und die mütterliche und übertrieben aufopfernde Art, wie sie sich um ihre etwas umnachtete Schwester Olivia kümmert, doch sie verhält sich Jeff gegenüber fair, behandelt ihn respektvoll und schenkt ihm sogar ihr Vertrauen. Während die beiden immer mehr ihre Zuneigung zueinander entdecken, geschehen jedoch verwirrende und bedrohliche Dinge, die nicht nur ihr Glück gefährden, sondern bald auch Jeffs Leben. Doch mit seinem ausgeprägten Instinkt, den er in seinen Jahren als Sheriff verfeinert hat, kommt er der Ursache schnell auf die Schliche. Aber wie soll er Allie erklären, dass ihr ganzes Leben eine Lüge war?

Eine gefühlvolle Liebesgeschichte, die ohne viel Humor, knisternde Spannung oder tiefschwarze Geheimnisse auskommt und trotzdem absolut lesenswert ist. Der einzige Minuspunkt liegt in den letzten Seiten, die deutlich schwächer sind als der Rest und somit leider den wunderbaren Eindruck schmälern, den man im Laufe der Geschichte von der Fantasie und dem Geschick der Schriftstellerin gewonnen hat. Jedoch besonders bemerkenswert ist, dass die Zweifel der Hauptcharaktere an der Zuneigung des jeweils anderen in Häufigkeit und Stärke selten unverständlich erscheinen oder den Leser genervt die Augenverdrehen lassen, wie es bei viel zu vielen Büchern leider der Fall ist.

Sehr empfehlenswert für alle, die Freude an einfühlsamen Romanen haben.

Review von Katja, 13.12.2002.

|| Zurück zu Historischen Romanen || Zurück zu Buchkritiken || Zurück zur Hauptseite ||