"Tender is the Knight"

Autorin: Jackie Ivie

Verlag: Zebra Books

Bewertung: 2.0

Die verwitwete Elise Duchess von Wyndham ist eine Berühmtheit in der Londoner Society des Jahres 1876. Die Zeitungen amüsieren sich gerne in Cartoons über die extravagant gekleidete und exzentrische junge Frau und ihre Heerscharen an Verehrern. Was jedoch niemand weiss: das alles nur eine Fassade für eine eigentlich sehr schüchterne und verängstigte junge Frau ist, die noch dazu ein recht großes Geheimnis mit sich trägt.

Colin MacGowan, der den Titel (und das dazugehörige Vermögen) erst kürzlich geerbt hat, wird wegen seiner schottischen Herkunft von der Londoner High Society als eine Art Barbar angesehen. Das jedoch hindert eben diese Gesellschaft nicht daran, in Scharen zu seinem Antrittsbesuch zu erscheinen. Schon gar nicht, nachdem bekannt wird, dass er auf der Suche nach einer Braut ist. Auch Elise sucht die Nähe den neuen Duke von MacGowan. Nicht allerdings um mit ihm zu flirten, sondern um ihr Geheimnis zu lüften - denn es betrifft Colin direkt. Doch ehe Elise dazu kommt mit Colin findet sie sich - nach einer prekären Situation bei Colin Schutz suchend - als seine Ehefrau auf dem Weg nach Schloss MacGowan in Schottland wieder...

Wirklich stimmig oder sympathisch waren weder Elise noch Colin. Bei beiden Figuren gibt es zu viele Gegensätzlichkeiten zwischen ihrem Auftreten und ihrem Charakter. Elise gibt zum einen nach außen die Grande Dame, die große Verführerin, die wortgewandte und zynische Dame von Welt - zum anderen zerstört sie dieses Bild durch ihre offensichtliche Naivität. Als nach und nach Elises Lebensgeschichte erzählt wird, beginnt sich der Leser zu fragen, wie um alles in der Welt es ihr gelungen sein soll, ein solches Bild nach außen hin aufzubauen.

Colin auf der anderen Seite wird dem Leser nicht nur als der mächtige und reiche schottische Duke vorgestellt, sondern durch die Gedanken von Elise und die Aussagen der Nebencharaktere als charmanter, liebenswürdiger und auch ein wenig verletzlicher junger Mann, der sich Hals über Kopf in Elise verliebt. Aus seinen Handlungen allerdings kann man vor allem auf die letzteren Punkte kaum schließen. Colin nennt Elise - nicht nur einmal - eine Lügnerin und Hure und bezeichnet und behandelt sie als sein Eigentum. Seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht er allerdings, als er sie in einem Wutanfall knebeln und über Stunden in einen Eisenbahnwaggon sperren lässt.

Der Hauptkonflikt zwischen den beiden Figuren rankt sich um das berühmte Missverständnis, um ein Problem, das gelöst werden könnte, wenn beide nur fünf Minuten damit verbringen würden miteinander zu reden, statt sich anzuschreien. Und sich anschreien ist etwas, das die beiden bei fast jeder Begegnung machen. Ist das romantisch? Erweckt die ewige Streiterei der beiden den Eindruck eines Vorspiels? Für mich jedenfalls nicht.Stattdessen stellte sich mir permanent die Frage, was die beiden eigentlich aneinander finden. Elise will nach den Erfahrungen in ihrer ersten Ehe nie mehr als das Eigentum eines Mannes behandelt werden und doch ist es genau das, was sie Colin mit sich machen lässt. Colin dagegen erklärt irgendwann unmissverständlich, dass er eigentlich gar nicht heiraten will und zwar keine Engländerin und schon gar nicht sie.

Zusätzlich erschwert wurde das Verständnis der beiden für mich durch die Tatsache, dass das Buch komplett aus Elises Sicht geschrieben ist. Der Leser lernt Colin nur über seine Handlungen und Aussagen kennen - und die beeindruckten mich nun gar nicht. Daneben irritierten mich auch am Plot und am Hintergrund einige Dinge - ab und zu werden scheinbar wahllos Fakten aus der schottischen Geschichte ins Spiel gebracht. Außerdem erklärt die Autorin, dass Colin seine Militärzeit in Indien damit verbracht hat von seinem chinesischen Houseboy Tai Chi und Kung Fu zu lernen. Letzteres darf er gegen Ende des Buches auch unter Beweis stellen - komplett mit schwarzem Ninja-Outfit und geschwärztem Gesicht.

Was das Buch vor einem totalen Reinfall für mich bewahrt hat, sind die streckenweise großartigen Dialoge, die Jackie Ivie zu schreiben in der Lage ist. Elises Beschreibung von Colin nachdem sie ihn zum ersten Mal gesehen und sich mit ihm unterhalten hat ("He's a big, bullheaded, boorish brute bred in the barbaric boundaries of a backwater country.") ließ mich laut auflachen und wird garantiert in meine Top Ten der besten Sätze aufgenommen. Ach ja, und ich mag das Cover - auch wenn es nicht so hundertprozentig zur Geschichte passt.

Aber das beides ist leider nur ein kleiner Trost für den Rest. Das Buch hat eine Menge extrem begeisterter Reviews bekommen. Mich allerdings kann es nicht überzeugen. Sorry.

Review geschrieben von Alex W. am 02.04.2006
 

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