Autor: Jens Johannes Krämer
Verlag: Weltbild, 2004, 480 S.,
ISBN: 3-8289-0444-0
Bewertung: 4.5
1854: Nach einer strengen
Ausbildung in der Baseler Missionsanstalt kommt der junge Johann
Straub, wie lange von ihm ersehnt, endlich nach Westafrika, um dort als
Missionar tätig zu sein. Seit Johann einmal heimlich einen Blick
in die Aufzeichnungen des englischen Missionars Freeman, der von der
geheimnisvollen Stadt unter den Steinen erzählt, geworfen hatte,
ist seine Phantasie so richtig beflügelt. Nach seiner Ankunft
erfährt Johann, dass der von ihm verehrte Pater Däuble, den
er auf dessen Station in Peki zu treffen hoffte, unter
rätselhaften Umständen ums Leben gekommen ist.
Johann, der auf der Missionsstation in Keta eingesetzt wird, um die
zwei dort tätigen Missionare zu unterstützen, erkennt bald die
Probleme, denen er und seine Brüder in diesem Land
gegenüberstehen, und auf die sie die strengen Regeln der
Missionsgesellschaft kaum vorbereitet haben: ein mörderisches
Klima, das Fieber und andere Krankheiten begünstigt;
Stammesfehden; Aberglaube; Fetischpriester, die die Menschen mit ihren
Hexereien verfolgen und verunsichern; Sklavenhandel; unfähige und
unwillige englische Militärs, mit denen Johann sich später
sogar anlegt - das Leben ist nicht einfach in Keta.
Doch es gibt auch immer wieder kleine und kleinste Erfolge, vor allem,
wenn man bereit ist, sich wie Johann auf die Eingeborenen und ihre
Denkweise und Ansichten einzulassen. Dass er dabei immer öfter
seinem eigenen Herzen und Verständnis für Gott folgt, als den
starren Regeln der Missionsgesellschaft, bringt Johann bald in
Schwierigkeiten.
Eine überaus spannend erzählte, abenteuerliche, auf Tatsachen
beruhende Geschichte, mit farbenprächtigem Hintergrund und gut
gezeichneten Charakteren, die interessante Einblicke in die Lebens- und
Denkweise der Menschen des damaligen westlichen Afrikas gewährt,
ohne irgendwie belehrend zu wirken. Ein faszinierender Roman über
eine wenig bekannte Episode der Geschichte.
Kritik geschrieben von Sabine R.,
17.01.2005