"Lord of the Mist"

Amerikanische Originalausgabe: von 2001

Autorin: Ann Lawrence

Verlag: Dorchester/Love Spell

Bewertung: 2.5

Mal wieder daneben gegriffen! Zum wiederholten Mal hat mich ein Covertext zum Lesen verleitet, die Geschichte selbst aber leider nur enttäuscht. Ein Trost bleibt - es war ein ebay-Schnäppchen.

Zum Inhalt gibt es nicht viel zu sagen: Lord Durand de Marle steht am Sarg seiner verstorbenen Frau Marion. Sie hat ihm eine Tochter hinterlassen, deren Vater er unmöglich sein kann. Enttäuscht von der Untreue seiner Frau, nimmt er von dem Baby keine Notiz. Um so mehr fasziniert ihn allerdings Cristina, die Amme des Kindes. Cristina ist unglücklich mit dem Kaufmann Simon le Cros verheiratet. Nachdem ihr eigenes Kind gestorben war, wurde sie von Lady Marion als Amme eingestellt. Cristina kümmert sich liebevoll um das kleine Baby. Da sie außerdem  eine Expertin in Bezug auf Salben, Tinkturen, Liebestränke und dergleichen ist und die Bewohner der Burg ihre Dienste gern in Anspruch nehmen, führt sie ein ruhiges und beschauliches Leben. 

Als ihr Mann Simon des Diebstahls beschuldigt und zum Tode verurteilt wird, bezichtigt dieser Cristina der Mittäterschaft und macht sie damit ebenfalls zur Beschuldigten. Ein Gottesurteil soll ihre Unschuld beweisen und der Ritter, der für sie zu kämpfen bereit ist, ist niemand anderes als Lord Durand persönlich. Obwohl er den Kampf gewinnt, bleibt Cristina eine Ausgestoßene. 

Die Grundidee dieses Romans hat sehr viel Potential. Lord Durand, zutiefst verletzt durch die Untreue seiner Frau, befindet sich plötzlich in der gleichen Situation, als er sich in die verheiratete Cristina verliebt. Doch anstatt hier einzuhaken und eine wirklich gute emotionale Geschichte über Liebe und Verrat, Selbstzweifel und Vergebung zu schreiben und glaubhafte Charakterentwicklung zu betreiben, verzettelt sich die Autorin in einer langatmigen, klischeebeladenen Story. Die ersten zwei Drittel der Geschichte sind zäh und ereignislos, während sich im letzten Drittel die Geschehnisse dann plötzlich überschlagen.

Die Haupt- und Nebencharaktere sind sehr schablonenhaft. Die Guten sind nur gut, die Bösen nur schlecht. Cristina ist die personifizierte Fußmatte mit Heiligenschein, Durand ein vor sich hin brütendes Weichei mit Mißtrauenssyndrom, die Liebesgeschichte zwischen den beiden irgendwie unglaubwürdig. Schade, wenn die Autorin mehr Mut bewiesen hätte, hätte es ein wirklich anspruchsvoller Liebesroman werden können, so bleibt er jedoch nur schlechter Durchschnitt. 

Kritik geschrieben am 17.05.2003 von Yvonne S.

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