"Die Kastratin"

Autoren: Iny und Elmar Lorentz

Verlag: Weltbild, 2003, 511 S.,

ISBN: 3-8289-7243-8

Bewertung: 4.5

Italien, Mitte des 16. Jahrhunderts: die elfjährige Giulia, Tochter des Kapellmeisters Girolamo Fassi aus dem kleinen Städtchen Saletto begreift es einfach nicht: warum wird sie, die ein außergewöhnliches Gesangstalent besitzt und die schwierigsten Stücke nach nur einmaligem Hören auf Anhieb wiedergeben kann, stets streng bestraft, wenn sie singt? Giulia, die sich immer wieder heimlich zum Kloster San Ippolito schleicht, um dort dem Knabenchor, den ihr Vater leitet, beim Üben zuzuhören, gibt sich ja die größte Mühe, nur in unbeobachteten Momenten zu singen, aber ab und zu wird sie doch erwischt und besonders von ihrer kränklichen Mutter, die es nie verwunden hat, dass alle ihre Söhne entweder tot geboren wurden oder sehr jung starben, und nur Giulia übrig blieb, mit aller Strenge bestraft. Zur damaligen Zeit war es Frauen untersagt, in der Kirche Lieder zu Ehren Gottes zu singen; wer dies dennoch wagte, dem stand der Tod auf dem Scheiterhaufen bevor - für Giulia ein ständig wiederkehrender Albtraum.

Anlässlich eines Festes zu Ehren des heiligen Ippolito, an dem einige hohe päpstliche Würdenträger aus Rom erwartet werden, soll der Knabenchor aus Saletto eine neue Messe des berühmten Komponisten Palestrina aufführen. Ludovico Moloni, der den Solopart singen soll, fällt kurz vorher aus - nun ist guter Rat teuer; wer kann den schwierigen Part übernehmen? Die einzige Möglichkeit ist die, dass Giulia, als Junge verkleidet, auftritt. Die Messe wird auch ein voller Erfolg, aber nun kommt der Abt des Klosters auf die Idee, den neuen Sängerknaben kastrieren zu lassen, damit seine herrliche Singstimme erhalten bleibt. Giulia und ihrem Vater bleibt nur die Flucht aus Saletto; ihr Vater, der sich von nun an Girolamo Casamonte nennt, bildet Giulia die zu Giulio wird, aus und lässt sie dann als Kastratensänger auftreten, und verdient so mit ihr sein Geld.

In Begleitung ihres Vaters und des treuen Dienerpaares Beppo und Assumpta zieht Giulia nun als Kastratensänger Casamonte durch Italien, durchlebt alle Höhen und Tiefen einer Sängerkarriere; sie wird von Adligen auf deren Feste engagiert; eine Gräfinwitwe holt sie für den Winter zu sich in ihr Kastell; schließlich dringt Guilias Ruhm bis nach Rom, wo sie in die Dienste des Papstes gerufen wird. Doch sie zahlt einen hohen Preis: ständig muss Giulia darauf bedacht sein, dass niemand hinter ihr Geheimnis kommt; sie kann sich niemandem außer Assumpta und Beppo anvertrauen; nie jemanden näher an sich heranlassen aus Furcht vor Entdeckung. Auch als sie Vincenzo de la Torre kennenlernt, der sich zu seiner Verwunderung sehr zu dem jungen Kastratensänger hingezogen fühlt, wagt sie es nicht, ihm einzugestehen, dass sie ja eigentlich eine Frau ist; zu groß ist ihre Angst. So muss sie Vincenzos Annäherungsversuche abweisen, obwohl auch Giulia für ihn tiefere Gefühle entwickelt.

Ein sehr unterhaltsamer, spannend erzählter, atmosphärisch dichter und abenteuerlicher Roman mit einem außergewöhnlichen Plot, interessanten Charakteren, und einer unerschrockenen Heldin, die stets versucht, gegen ihr Schicksal anzukämpfen und sicht nicht unterkriegen lässt. Manchmal wird vielleicht der Zufall gar zu sehr bemüht, aber alles in allem ist diese Geschichte sehr empfehlenswert.

Kritik geschrieben von Sabine R. am 19.06.2003

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