"Die Wanderhure"

Autoren: Iny Lorentz

Verlag: Knaur Verlag, 2004, 607 S.

ISBN: 3-426-66112-8

Bewertung: 5.0

Konstanz im Jahre 1410: Die siebzehnjährige Marie Schärer ist zwar von dem Mann, den sie nach dem Willen ihres Vaters Mathis heiraten soll, nicht gerade angetan, aber als gehorsame und gottesfürchtige Bürgerstochter bleibt ihr schließlich nichts anderes übrig, als ihr vorgegebenes Schicksal zu akzeptieren. Der wohlhabende und erfolgreiche Advokat Ruppertus Splendidus, ein unehelicher Halbbruder des Grafen Konrad von Keilburg, hat um ihre Hand angehalten, und bald schon soll die Hochzeit stattfinden. Doch dazu kommt es nicht; ihrem Verlobten, der es nur auf ihr Geld abgesehen zu haben scheint, gelingt es, durch eine gemeine und hinterhältige Intrige, Marie öffentlich zu beschuldigen, dass sie keine Jungfrau mehr sei und sich der Wollust hingegeben habe. Niemand glaubt den Protesten von ihr und ihrer Familie - Marie wird in das Verlies im Ziegelturm gesperrt. Gequält und gedemütigt, von dem bischöflichen Gericht zu öffentlicher Auspeitschung und Verdammung aus der Stadt Konstanz verurteilt, findet sie sich schwer verletzt, völlig geschwächt und mittellos auf der Landstraße wieder.

Marie wird von einer Frau namens Hiltrud aufgelesen und gesund gepflegt; Hiltrud, die zu ihrer besten Freundin wird, zieht als so genannte Wanderhure durch die Gegend, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Das Leben der Wanderhuren ist hart und gefährlich, daher schließen sie sich meist zu größeren Gruppen zusammen, um sich gegenseitig etwas Schutz zu bieten. Marie zieht zunächst mit Hiltrud und drei weiteren Frauen durch die Gegend - sie hat weder Geld noch ein Zuhause, in das sie zurückkehren kann, und einer entehrten Frau blieb zur damaligen Zeit nur die Wahl zwischen Selbstmord oder einem Leben als Hure.

Marie entscheidet sich schließlich für ein Leben als Wanderhure; nur ihr Hass auf die Verursacher ihres Unglücks und ihre Pläne, an ihnen Rache zu üben, hält sie aufrecht und lässt sie dieses schwere Leben mit all seinen Gefahren und Demütigungen ertragen. Marie trifft bei ihren Wanderungen auf die unterschiedlichsten Menschen und erfährt so einiges, was ihr bei ihrem Rachefeldzug gegen ihre Peiniger von Nutzen sein könnte. Fast fünf Jahre, nachdem sie Konstanz in Schimpf und Schande verlassen musste, wird ihr und ihren Reisegefährtinnen das Angebot gemacht, nach Konstanz zu kommen; anlässlich des gerade stattfindenden Konzils bestünde großer Bedarf an den Diensten von ansehnlichen Hübschlerinnen. Nach einigem Zögern willigt Marie ein - vielleicht bringt sie das ja ihrem einzigen Lebensziel näher?

Auch der dritte Roman von Iny Lorentz ist wieder ein absoluter "Volltreffer" - eine überaus interessante, spannende und abenteuerliche Geschichte über eine junge Frau und ihren Kampf um das Überleben außerhalb der bürgerlichen, sicheren Gesellschaft, in einer harten und schwierigen Zeit. Haupt- und Nebencharaktere sind sehr farbig und lebendig gezeichnet; viele interessante Details über das Leben im Mittelalter runden die Geschichte ab, ohne jemals langweilig zu wirken. Vielleicht sollte man eine Warnung für sehr empfindsame LeserInnen aussprechen, doch wer spannende historische Romane liebt, dem ist "Die Wanderhure" auf jeden Fall zu empfehlen!


Kritik geschrieben von Sabine R. am 23.03.2004

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