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"Die Tatarin" Autoren: Iny Lorentz Verlag: Weltbild, 2005, 590 S. ISBN: 3-8289-7736-7 Bewertung: 5.0 |
Russland, 1707: Möngür Khan, der Anführer eines
Tatarenstammes in Sibirien, der einen Aufstand seines Stammes gegen die
Herrschaft des verhassten russischen Zaren leitet, wird von den Russen
gefangen genommen; Hauptmann Sergej Tarlow, der mit seinem Trupp
Soldaten den Auftrag erhalten hat, diverse Aufstände im fernen
Sibirien niederzuschlagen, verlangt als Gegenleistung dafür, dass
die Tataren weiterhin unbehelligt leben können, u. a. auch die
Auslieferung des ältesten Sohnes Möngür Khans als
Geisel, als Garantie für das Wohlverhalten seines Stammes.
Diese Forderung stellt den Khan vor ein großes Problem: sein
ältester Sohn ist vor einiger Zeit gestorben, und der jüngste
noch viel zu klein, um eine längere Gefangenschaft bei den Russen
heil zu überstehen. Zeyna, die Lieblingsfrau des Khan, kommt auf
die Idee, die junge, eher knabenhaft wirkende Schirin, Tochter des
Khans und einer verhassten russischen Sklavin namens Natalia, als
jungen Mann zu verkleiden und unter dem Namen Bahadur, Sohn des Khans,
den Russen auszuliefern.
Hauptmann Tarlow, der eigentlich viel lieber mit seinem Regiment im
Kampf gegen die Schweden, die Russland bedrohen, reiten würde,
macht sich mit seinen Soldaten und den aus verschiedenen
Steppenvölkern stammenden Geiseln auf den weiten Weg nach Moskau.
Schirin gelingt es, trotz aller Widrigkeiten, ihr Geschlecht vor den
Männern verborgen zu halten; niemand schöpft Verdacht, auch
Sergej nicht, der an dem jungen, stolzen Tatarenprinzen Bahadur einen
Narren gefressen zu haben scheint. Doch in Moskau sind Hauptmann Tarlow
und seine Geiseln noch lange nicht am Ziel angekommen; die anstrengende
Odyssee führt sie weiter bis in das gerade im Bau befindliche St.
Petersburg. Dort trifft Schirin auch auf den so verhassten Zaren Pjotr
Alexejewitsch (Peter der Große) und muss feststellen, dass er
ihren Vorurteilen so gar nicht entspricht. Und als sie das Leben des
Zaren rettet, ernennt dieser den jungen Tataren Bahadur zum
Fähnrich in Sergejs Regiment.
Schirin erlebt als Bahadur weiterhin turbulente, teilweise
lebensgefährliche Abenteuer, sie gerät mitten hinein in den
Krieg zwischen Russland und den Schweden; Verräter, die es auf das
Leben des Zaren abgesehen haben, treiben ihr böses Spiel; und
zwischen allem entwickelt Schirin Gefühle für Sergej, die sie
lange Zeit nicht wahrhaben will. Auch Hauptmann Tarlow wundert sich
über seine uneingestandene Zuneigung zu dem jungen Tataren. Doch
werden sich die beiden, die schliesslich durch den Krieg getrennt
werden, überhaupt noch jemals wiedersehen?
Wieder ist Iny Lorentz eine turbulente, farbenprächtige,
abenteuerliche, spannende und mitreißend erzählte Geschichte
gelungen, die dem Leser nicht so geläufige geschichtliche
Ereignisse auf unterhaltsame und nie langweilig werdende Art und Weise
nahe bringt. Die Charaktere des Romans, von der Heldin bis zur
kleinsten Nebenfigur, sind lebendig und farbenprächtig
geschildert; Schirins Gedanken über die in ihren Augen "seltsamen
Sitten und Gebräuche der Russen" sind gut nachvollziehbar
dargestellt. Einigen Lesern/-innen mag der große Anteil an
Kriegshandlungen zu viel sein - daher vielleicht besser eine kleine
(Vor)-Warnung an sehr empfindsame Gemüter.
Kritik geschrieben von Sabine R. am 15.02.2005
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