"Mörder ohne Gesicht"
-Hörbuch-

Autor: Henning Mankell

Verlag: der hörverlag
1 MC
gekürzte Hörspielfassung

Bewertung: 3.5

Hörspielfassung des ersten Romans um Kommissar Kurt Wallander

Im Januar 1990 wird das Ehepaar Löfgren auf seinem südschwedischen Hof brutal überfallen. Der Mann ist sofort tot, die Frau stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Zuvor kann sie aber die Frage eines Polizisten, wer es getan habe, noch mit letzter Kraft beantworten. „Ausländer" ist das letzte Wort der alten Bäuerin, was die Polizei in arge Bedrängnis bringt. Man befürchtet rassistisch motivierte Übergriffe, sollte dies an die Öffentlichkeit gelangen. So muss Kommissar Kurt Wallander als Stellvertreter seines Chefs Björk, der sich im Skiurlaub befindet, nicht nur mit der Aufklärung des Falls, sondern auch noch mit der lästigen Presse auseinandersetzen. Spuren zur Aufklärung des bestialischen Doppelmords gibt es zunächst so gut wie gar nicht. Einzig die Schlinge, mit der man Maria Löfgren zu erdrosseln versuchte, weist charakteristische Knoten auf, wie sie argentinische Hafenarbeiter für die Halsbänder ihrer Hunde verwenden. Und das Pferd des Bauern hatte frisches Heu, welches der oder die Täter in die Futterkrippe gegeben haben müssen.

Derweil stellen sich bei Wallander auch noch private Probleme ein. Das Verhältnis zu seiner Tochter Linda ist seit ihrem Selbstmordversuch als Teenager gestört und der Kontakt ist abgebrochen. Mit seinem altersdementen Vater, der sich vernachlässigt fühlt, hat er ewig Streit. Jetzt muss er sich auch noch ernstlich um ihn Sorgen machen, da er nachts mit einem Koffer und nur im Pyjama über die Äcker irrt. Seine Ex-Frau Mona möchte er zu einem Neuanfang überreden, als er abblitzt setzt er sich betrunken hinters Steuer und wird prompt von einem Streifenwagen angehalten. Seine zu kurz gekommene Libido möchte er gerne mit der Staatsanwältin Anette Brolin wieder in Schwung bringen, verhält sich dabei aber wie eine Dampfwalze. Als die verheiratete Mutter, die nur für ein Jahr Vertretung aus Stockholm abkommandiert ist, ihn zu einem Drink zu sich einlädt, wird er regelrecht zudringlich.

Unterdessen hat die Presse von den zurückgehaltenen Informationen erfahren, und das Schlimmste tritt ein. Zunächst wird ein Asylbewerberheim in Brand gesteckt, wenig später ein Asylbewerber hinterrücks erschossen. Bei diesem Mord hat Wallander aber recht bald eine heiße Spur. Und auch zum Doppelmord gibt es neue Hinweise. So sagt der Bruder der Getöteten aus, Johannes Löfgren habe seine Frau jahrelang betrogen, mit seiner heimlichen Geliebten hätte er sogar einen unehelichen Sohn. Eine Bankangestellte gibt einen weiteren Tipp. Der reiche Bauer hatte kurz vor seinem Tod eine hohe Summe von seinem Konto abgehoben. Dennoch gelingt es dem Kommissar lange Zeit nicht, die losen Fäden des Mordfalls zu verknüpfen.

Die Hörspielbearbeitung von Mankells erstem Roman um den knurrigen Kommissar Kurt Wallander ist sehr ansprechend geraten. Die Sprecher, allen voran der Erzähler Christoph Schobesberger und Heinz Kloss als Wallander, hauchen der Geschichte Leben ein. Die Musikeinlagen und Geräuschuntermalung lockern Erzählung und Dialoge auf, so wird z.B. eine Autoverfolgungsjagd eindrücklich geschildert. Dennoch bringt die Kürzung auch Schwächen zum Vorschein.

Die Handlung erscheint zu komprimiert. Die Krimihandlung wirkt dadurch zwar sehr flott, der Raum für Charakterstudien ist dabei aber sehr begrenzt. Wallanders privater Hintergrund kann nur angerissen werden. Seine zahlreichen Probleme werden oftmals nur mit einem Satz abgehandelt, was in Buchform hoffentlich besser gelungen ist. Der Kommissar selbst strotzt vor Ecken und Kanten. Er ist sicher kein Paradebeispiel für einen 08/15-Gesetzeshüter, was ja durchaus erfrischend sein könnte. Die Episode mit Staatsanwältin Anette Brolin lässt ihn jedoch geradezu unsympathisch erscheinen. In seiner Ermittlungsarbeit handelt Wallander oftmals auch recht voreilig, weshalb sich der Kreis der Verdächtigen zunächst sehr aufbauscht um kurz danach wieder mächtig zu schrumpfen.

Zum eigentlichen Fall bleibt nur zu sagen, dass die Aufklärung mehr als zufällig geschieht, so dass man sich als Hörer schon fragt, wozu die ganze Polizeiarbeit vorher überhaupt gut war. Dass Wallander den Fall erst nach einer Eingebung lösen kann, ist schon enttäuschend. Und nicht alle zuvor aufgeworfenen Fragen werden zum Schluss befriedigend beantwortet.

Kritik geschrieben von TINA, 13.03.05

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