"Das Eiskind"

Autorin: Elizabeth McGregor

Verlag: Blanvalet, HC

Bewertung: 4.5

"Fast hätte die Journalistin Jo Harper es abgelehnt, eine Reportage über den berühmten Archäologen Douglas Marshall zu schreiben. Dieser forscht seit Jahren nach der legendären Franklin-Expedition, bei der Mitte des 19. Jahrhunderts hundertdreißig Männer in der Arktis spurlos verschwanden. Douglas' Besessenheit von diesem Projekt hat seine Ehe zerstört und die Beziehung zu seinem19-jährigen Sohn John tief belastet. Es ist ein kompliziertes familiäres Geflecht, in das Jo hineingerät, als sie und Douglas sich verlieben und eine gemeinsame Zukunft planen. Doch Jos Glück zerbricht, als Douglas ums Leben kommt. Nur ihr kleiner Sohn Sam kann sie trösten - bis sich herausstellt, dass er unheilbar krank ist. Und dass sein Halbbruder John seine einzige Rettung sein könnte. Ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit beginnt. Denn John ist aufgebrochen zu einer langen Reise in die Eiswüste der Arktis. Er will um jeden Preis die ehrgeizige Mission seines Vaters erfüllen... "

Glaubt man nur dem Klappentext, wäre die Geschichte um Jo und Sam schnell erzählt. Die Rollenverteilung ist klassisch, der Mann mit der jüngeren Geliebten, die böse Ehefrau und der Sohn aus erster Ehe mit ungeklärter Vaterbeziehung. Aber der Roman bietet wesentlich mehr. Es gibt noch zwei weitere Erzählstränge: zum Einen lernen wir Gus kennen, der Schiffsjunge auf einen der Schiffe der Franklin-Expedition ist, die 1845 zur Entdeckung der Nordwest-Passage aufbrach. Schiffe und Besatzung verschwanden im ewigen Eis, niemand hat die Expedition überlebt, auch die Schiffe wurden nie gefunden. Der Leser begleitet Gus und den Rest der Mannschaft ins ewige Eis bis in den Tod. Und dann ist da noch die Eisbärin mit ihrem Jungen, die auf den Spuren des Franklin Trails gesichtet wird. Durch den von Wechsel von Gegenwart in die Vergangenheit wird das Buch unglaublich spannend. Die Autorin hat wirklich hervorragend recherchiert und bringt dem Leser durch den -fiktiven- Schiffsjungen Gus die ganze Dramatik der Expedition näher. Wenn man überlegt, dass diese Expedition vor über 150 Jahren mit minimaler Technik und wissenschaftlichen Erkenntnissen gestartet ist (und sie war nicht die erste!), kann man nur staunen und den Mut dieser Menschen bewundern. Elizabeth McGregor gelingt es zum Schluss auch sehr gut, die verschiedenen Erzählstränge zusammen zu fügen. Und durch die Geschichte um die Erkrankung von Sam weist sie auch noch einmal auf die Wichtigkeit von der Registrierung als Knochenmarkspender hin. Alles in allem ein gut gelungener Roman einer Autorin, die sich eigentlich als Verfasserin von Kriminalromanen einen Namen gemacht hat.

Review von Lucy, 15.08.2002

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