"Calla in Landluft"

Autorin: Maren Frank

Verlag: Club der Sinne, E-Book

Bewertung:  4.0

„Eine Calla gedeiht nun mal nicht in Landluft“. Die junge Frankfurter Sekretärin kennt sich aus mit dem Aronstab-Gewächs, schließlich war ihre Mutter Floristin - und hat ihre Tochter nach dieser aparten Pflanze benannt.

Als Callas Arbeitgeber seine Firma schließen muss und sie die Kündigung erhält, muss sie die Sache mit der Landluft auf den Prüfstein stellen. Denn als letzten Freundschaftsdienst und als Dank für ihre Loyalität vermittelt ihr ehemaliger Chef ihr einen Posten auf dem Dorf: als Assistentin seiner Schwester, die in Eulenwinkel Bürgermeisterin ist.

Calla, die mehrere Sprachen spricht und auch eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin absolviert hat, ahnt zwar, dass sie mit diesem Job stark unterfordert sein wird, doch als Zwischenstation scheint ihr das Angebot zumindest verlockender als die Arbeitslosigkeit. Also lädt sie ihre Habseligkeiten ins Auto und zieht aufs Land.

Das Dorf ist so übersichtlich wie Callas neues Aufgabengebiet. Aber die Chefin ist nett, und Leonhard Decker, ihr Vermieter, ist beinahe zu gut, um wahr zu sein. Ein sympathischer, attraktiver und bodenständiger Mann mit einem ungewöhnlichen Beruf: Er arbeitet, einer Familientradition folgend, als Geburtshelfer. Er ist, wenn man so will, eine männliche Land-Hebamme. Und, wie Calla zunächst vermutet, schwul. Oder ist er doch hetero und der Freund von Lisa, ihrer reizenden aber etwas dümmlichen Vorgängerin im Sekretariat der Bürgermeisterin? So oder so – er ist ein Landei und auf gar keinen Fall ein Flirtkandidat für Calla. Auch wenn er ein verflixt gut aussehender Kerl ist …

Da ist Robert Bremer schon ein anderes Kaliber, der Bauunternehmer, der nach Eulenwinkel kommt und dort ein Sport- und Freizeitzentrum eröffnen möchte: erfolgreich, weltmännisch, elegant und gepflegt – und spontan angetan von Calla.

Doch ein Picknick am See, bei dem Leo Decker dem jungen Max mutig das Leben rettet, beeindruckt Calla sehr und lässt sie die ihren Vermieter mit ganz anderen Augen sehen. Dass Leo nicht schwul ist, weiß sie inzwischen. Er wäre schon ein toller Mann – wenn er nur nicht immer vom Leben auf dem Lande mit Frau und Kindern schwärmen würde! Für Landluft, Dorfklatsch und Kindergeschrei kann Calla sich nun gar nicht erwärmen. Sie möchte in der Großstadt leben und beruflich vorwärts kommen. Eine Beziehung mit Leo hätte keine Zukunft.

Da kommt ihr das Interesse, das Robert Bremer für sie zeigt, sehr gelegen. Er führt sie groß aus und bietet ihr einen Posten als Managerin des neuen Freizeitzentrums an. Calla schwebt wie auf Wolken und sieht im Geiste schon das ganze Dorf in ungeahntem Wohlstand erblühen. Die archäologischen Ausgrabungen, die gerade im Garten der Heilerin Wanda stattfinden, könnten eine zusätzliche Touristenattraktion werden. Knochen eines Echten Mastodonten - eines Verwandten unserer heutigen Elefanten - haben Max und sein Hund dort gefunden.

Doch ganz ungetrübt ist ihr Glücksgefühl nicht. Leo ist alles andere als begeistert von Callas Geschäftsbeziehung mit Robert Bremer. Und Calla fragt sich, ob sie es beim geschäftlichen Kontakt mit Bremer belassen oder auf seine Avancen eingehen soll.

In der Stadt war Calla solo, jetzt auf dem Land hat sie auf einmal die Qual der Wahl zwischen zwei Männern. Robert oder Leo? Sie verabredet sich abwechselnd mit beiden.

Als Leo mit brisanten Hintergrundinformationen über das Projekt „Freizeitzentrum“ zu ihr kommt, hält Calla das für einen Akt der Eifersucht. Sie will nicht wahr haben, was sie da hört. Doch die Anschuldigungen, die Leo gegen Robert Bremers Unternehmen erhebt, lassen ihr keine Ruhe.

Stimmt es, was er behauptet oder hat er nur etwas missverstanden? Platzen nun die Pläne vom Sport- und Freizeitzentrum? Ist ihr Traum von der Managerinnen-Karriere ausgeträumt?

Calla beschließt, Leos Vorwürfen auf den Grund zu gehen. Klammheimlich stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an – und unterschätzt die Gefährlichkeit ihrer Gegner …

Ein moderner Liebesroman

Romantik, Spannung, Erotik und Humor – das alles findet sich in diesem Roman. Das beschauliche Dorf Eulenwinkel ist von skurrilen Gestalten bevölkert. Da ist die zickige Künstlerin … die männliche Dorfschlampe, der „Bezirksbefruchter“ … der Sargtischler, der von verlässlichen Vorahnungen gequält wird, die jedermann als gegeben hinnimmt … die esoterisch angehauchte kräuterkundige Heilerin im Späthippie-Look, die den Vater ihres Kindes verschweigt - oder selbst nicht so genau weiß, wer es war. Die Archäologen, die am Ort nach den Mastodonten-Knochen graben, sind ebenso gelehrt wie weltfremd. Ausgerechnet die etwas unterbelichtete Ex-Bürgermeistersekretärin Lisa kann zum Thema „alte Knochen“ mit einem Informationsvorsprung glänzen – ein herrlicher Einfall!

Im Grunde gehört auch Leo, die männliche Land-Hebamme, in dieses liebenswerte Kuriositäten-Kabinett. Und genau damit wird das gängige Liebesroman-Klischee gegen den Strich gebürstet: Hier ist es der Mann, der vom häuslichen Glück träumt, während die Heldin nach Erfolg und beruflicher Selbstverwirklichung strebt und sich emotional nicht binden möchte. Ein Konflikt, der sich auch im Laufe der Handlung nicht spontan in Wohlgefallen auflöst.

Ob sich die Finsterlinge im richtigen Leben nicht doch noch mit juristischen Winkelzügen aus der Affäre gezogen hätten? Als Laie weiß man’s nicht, und es ist auch nicht von zentraler Bedeutung. „Calla in Landluft“ ist eine moderne, romantische Liebesgeschichte und erfüllt diesbezüglich alle Anforderungen.

E-book: Romantik im Schnellhefter

Der Roman ist als e-book erschienen. Das heißt, man kann sich gegen Registrierung und Bezahlung die Geschichte als pdf-Datei auf den eigenen Rechner laden, und, wenn gewünscht, ausdrucken. Der Vorteil: Es gibt keine Lieferzeiten und keine zusätzlichen Versandkosten.

Die optimale physische Darreichungsform eines e-Books muss man sich als Leser erst erarbeiten, wenn man mit dieser Publikationsform noch nicht vertraut ist. Das Abheften in einen schmalen Aktenorder erwies sich zwar als praktisch beim Blättern – aber als zu sperrig beim Lesen unterwegs. Ein Schnellhefter ist vermutlich die bessere Lösung.

Review geschrieben von Edith Nebel, 27.03.2008

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