"Sappho"

Autor: Siegfried Obermeier

Verlag: Nymphenburger Verlag, 2001, 447 S.

ISBN: 3-485-00885-0

Bewertung: 4.5

Dieser historisch-biografische Roman erzählt die Lebensgeschichte der griechischen Dichterin Sappho, die von ca. 615 bis 560 vor Christus gelebt hat. Sappho wurde als Tochter einer Adelsfamilie auf der Insel Lesbos geboren, sie hatte noch zwei ältere und einen jüngeren Bruder. Dank eines für die damalige Zeit rechtfortschrittlich gesonnenen Vaters konnte sie am Unterricht ihrer Brüder teilnehmen und so u. a. auch Schreiben und Lesen lernen, was für Frauen keineswegs selbstverständlich war. Frauen waren nur für Haus und Kinder zuständig und hatten im öffentlichen Leben keinerlei Funktion. Als erste Frau im damaligen Griechenland beginnt Sappho, Gedichte zu schreiben (was ansonsten als reine "Männersache" angesehen wird), und wird schon bald über die Grenzen von Lesbos hinaus berühmt.

Damals suchten die Eltern die Ehemänner für ihre Töchter aus, und so wird Sappho mit dem Händler Kerkylas verheiratet, der sich als ziemlich als ziemlich grober Klotz entpuppt. Sappho bekommt eine Tochter, die sie nach ihrer Mutter Kleis benennt. Inzwischen gibt es einige politische Wirren und Probleme, und infolgedessen taucht Kerkylas unter; Sappho und ihre restliche Familie - Tochter, Brüder, Onkel - werden für einige Jahre ins Exil nach Sikulia (dem heutigen Sizilien) verbannt. Bei ihrer entfernten Verwandtschaft in Syrakusa finden sie Aufnahme, und Sappho erlebt eine eher bittere Liebesaffäre mit dem Zeuspriester Myron.

Als Sappho schließlich nach Lesbos zurückkehren kann, eröffnet sie dort, gegen viele Widerstände, eine Schule für heranwachsende Mädchen, in der ihnen nicht nur Schreiben, Lesen und anderes Grundwissen beigebracht werden soll, sondern die Mädchen auch auf ihr künftiges Leben als Ehefrauen vorbereitet werden, das heißt, sehr intime Themen angesprochen werden. Mit der Zeit hat sie sehr großen Erfolg, muss jedoch auch immer wieder gegen Neider und Kritiker ankämpfen. Es bleibt auch nicht aus, dass Sappho sich zu der einen oder anderen ihrer Schülerinnen besonders hingezogen fühlt und mit ihr eine Liebesaffäre beginnt.

Sehr interessante, farbig geschriebene Geschichte über das Leben von Sappho und ihrer Familienmitglieder; man erhält so ganz nebenbei einen guten Einblick in die griechische Geschichte und das Leben und die Gebräuche und Sitten im Griechenland der Antike. Teilweise hat der Roman zwar einige Längen, aber im großen und ganzen sehr empfehlenswert.

Review von Sabine R., 02.06.2002

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