"Silent Surrender"
Amerikanische Originalausgabe: von
2003
Autorin: Katherine
O'Neal
Verlag: Bantam
Books, 371 S.,
ISBN: 0-553-58124-4
Bewertung:
4.5
Paris, 1916: Liana
Wycliffe, die kein leichtes Leben hinter sich hatte, seit sie mit 13
Jahren zur Waise wurde, ist Mitglied einer englischen
Schauspielertruppe, die in Frankreich zur Unterhaltung der sich in
Urlaub befindenden Frontsoldaten beiträgt. Eines Abends trifft
Liana bei einer Filmvorführung mit einem jungen amerikanischen
Piloten, Mitglied einer französischen Elitetruppe, zusammen, der
vom Film genauso begeistert ist wie sie. Sie treffen sich in den
nächsten Tagen immer wieder, und Liana, die immer sehr vorsichtig
war und nie einem Menschen so richtig vertraute, verliebt sich in den
jungen Piloten, der ihr nur unter dem Namen Ace bekannt ist - auch sie
ist ihm nicht gleichgültig; im Gegenteil, Ace vergöttert die
hübsche, lebenslustige junge Frau. Bevor er wieder an die Front
zurückmuss, will Liana, als Ausdruck ihrer Liebe, wenigstens eine
Nacht mit ihm verbringen - zuerst zieht Ace sich zurück, kann ihr
aber dann doch nicht widerstehen. Jedoch steht Liana die grösste
Enttäuschung ihres Lebens bevor - am nächsten Morgen ist Ace
verschwunden, und hinterlässt ihr eine sehr abweisende Nachricht.
Vier
Jahre später, in Hollywood, zur Blütezeit des Stummfilms:
Liana schlägt sich mühsam mit kleinen Filmrollen durch, hat
immer wieder Schwierigkeiten mit Regisseuren, weil sie sich nicht
anpassen will, und ist als "party girl" berüchtigt. Kurz vor der
völligen Pleite, erfährt sie von einem Filmprojekt, das wie
für sie gemacht scheint: der Regisseur Sloane Spencer, ein
"Wunderkind" des Films, plant ein großes Melodrama mit dem Titel
"Tehani of the South Seas", eine Geschichte über den Konflikt der
Einwohner Tahitis, am Beispiel eines jungen Mädchens, und der
Missionare, die das Volk ausnutzen und deren eigene Kultur
unterdrücken. Liana versucht, mit allen ihr zur Verfügung
stehenden Tricks, an die Rolle zu gelangen - als sie jedoch
erfährt, wer Spencer Sloane ist - nämlich kein anderer als
Ace - und dieser sie auch unbedingt für die Rolle haben will,
weigert sie sich, und ist nicht bereit, nachzugeben.
Nach
einigen turbulenten Konflikten kann die Filmcrew - mit Liana - doch
noch nach Tahiti abreisen; die Filmaufnahmen in diesem tropischen
Paradies gestalten sich als nicht gerade einfach; Liana, die Spencer
Sloane immer noch liebt, erfährt, dass die Wahrheit ganz anders
ist, als die von Sloane im Film dargestellten Tatsachen. Sloane hat
durch ein Erlebnis in seiner Jugend, das ihm einen völlig falschen
Eindruck von der tatsächlichen Beziehung seines Vaters, eines
Missionars, zu der von Spencer angebeteten Polynesierin Tehani,
vermittelte, ein völlig falsches Bild von Frauen, die ihre eigene
Sexualität genießen, entwickelt - Liana versucht, ihm eine andere
Sicht der Dinge darzubringen. Doch damit nicht genug der
Schwierigkeiten - der Aufenthalt auf Tahiti wird
lebensgefährlich, als sie mit dem despotischen Gouverneur
aneinander geraten.
Eine
turbulente, spannende, abenteuerliche und sinnliche Geschichte mit
einem außergewöhnlichen Setting, interessanten Haupt- und
Nebencharakteren; besonders die Heldin wirkt erfrischend lebendig. Gut
gelungen ist auch die Einbeziehung realer Charaktere aus der
Stummfilmzeit in den Roman. Eine sehr empfehlenswerte Story, besonders
LeserInnen, die ungewöhnliche Plots lieben.