"Im Licht der Lagune"

Autor: Hanns-Josef Ortheil

Verlag: btb-Verlag, 2000, 314 S.

ISBN: 3-442-72477-5

Bewertung: 4.0

Venedig, 1786: bei der Entenjagd in der Lagune findet der Conte Paolo di Barbaro mit seinen Jägern ein einsames Fischerboot, in dem ein unbekleideter junger Mann liegt, der anscheinend tot ist. Der Conte und seine Leute bringen ihn zur Klosterinsel San Giorgio, wo sich herausstellt, dass der junge Mann nur scheintot war; er wird im Kloster behalten und dort gesund gepflegt. Außer, dass der Mann Andrea heisst, und dass er sich nicht mehr an sein früheres Leben erinnern kann, zeigt er noch einige Absonderlichkeiten, er trinkt nur Wasser in großen Mengen, fühlt sich zu Fischen hingezogen und kann außerordentlich gut mit ihnen umgehen - so vermuten die Mönche, dass er wohl Fischer gewesen sein muss.

Andrea, der sich im Kloster eingeengt und beobachtet fühlt, schwimmt die weite Strecke bis zum Palazzo des Conte di Barbaro am Canal Grande; er will seinem Retter danken und ihm zu Diensten stehen. Conte Paolo, der zuerst gar nicht davon angetan ist, nimmt ihn schließlich doch in sein Haus auf; Andrea lässt sich indem Glashaus im Garten nieder - was den Conte davon abhält, von dort aus die Tochter seines Nachbarn, des alten, greisen Giovanni Nardi, die junge schöne Caterina, auf der Dachterrasse zu beobachten. Als eines Tages der alte Nardi in seinem Palazzo auftaucht, hegt Conte Paolo, der nie ans Heiraten gedacht hatte, und sich stets nur um die Geschäfte gekümmert hatte, schon die heimliche Hoffnung, als Nardi über die notwendige Verheiratung von Caterina spricht, dass dieser ihn, Paolo,a ls Ehekandidaten vorsehe - umso größer ist die Enttäuschung, da Nardi seine Tochter mit Paolos jüngerem Bruder Antonio, der in London als Gesandter Venedigs lebt, verheiraten will.

Die Eheschließung kommt zustande; Andrea, der inzwischen ein außergewöhnlich exaktes, detailgetreues Zeichentalent entwickelt hatte, wird per Vertrag als Caterinas ständiger Begleiter angestellt - ein alter Brauch in Venedig, wo es nicht üblich war, dass die Eheleute sich zusammen zeigten, eine Frau aber nicht ohne Begleiter nach draußen gehen durfte. Jedoch war es strengstens verboten, dass sich eine Frau von Stande mit diesem Begleiter näher einließ - als Andrea, von Conte Paolo gedrängt, beginnt, von Caterina Zeichnungen anzufertigen, kommen sich die beiden näher und verlieben sich ineinander; Caterina erfährt zum ersten Mal in ihrem Leben, was Glücklichsein ist. Doch dann entdeckt Conte Paolo die intimen Zeichnungen Andreas, und er denunziert ihn bei den Behörden...

Außergewöhnliche, anspruchsvolle, teilweise etwas surreal anmutende Geschichte um einen jungen Mann, der sich als genialer Künstler entpuppt, und eine verbotene Liebesbeziehung im alten Venedig.

Review von Sabine R. 24.03.2002

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