Originaltitel: El Enigma Vivaldi
Autor: Peter Harris
Verlag: BLT/Lübbe, 2006, 430 S.
ISBN: 13: 978-3-404-92235-2; 10: 3-404-92235-2
Bewertung: 3.0
In Venedig wird die Legende
erzählt, dass der große Komponist Vivaldi, der der geheimen
Bruderschaft "Fraternitas Charitatis" angehört haben soll, kurz
vor seinem Tode eine bedeutende, geheimnisumwitterte Entdeckung gemacht
habe. Die Aufzeichnungen darüber waren und blieben jedoch
verschwunden. Lucio Torres, ein junger spanischer Violinist, der in
Venedig an den Musiktagen teilnimmt und seine freie Zeit dazu nutzt,
über den von ihm verehrten Vivaldi im Archiv des Ospedale della
Pieta Nachforschungen anzustellen, stößt dort durch Zufall
in einem alten Rechnungsbuch auf eine unsignierte,
höchstwahrscheinlich von Vivaldi stammende Partitur.
Doch es kann sich dabei keinesfalls um ein musikalisches Werk handeln -
die Tonfolgen sind einfach schrecklich anzuhören und des
großen Komponisten unwürdig. Die sehr an der Geschichte
ihrer Stadt interessierte Venezianerin Maria del Sarto, in die sich
Lucio verliebt hat, bestärkt ihn in der Annahme, dass es sich bei
dieser Partitur um das sogenannte "Geheimnis des roten Priesters"
handle. In der Legende wird erwähnt, dass - angeblich? - der Code
zur Entschlüsselung dieses Geheimnis damals verloren gegangen sei.
Maria wendet sich zunächst an einen ihrer ehemaligen Professoren,
der für die Nato als Experte zur Entschlüsselung von
Geheimcodes tätig war, und bittet ihn um Hilfe. Es dauert nicht
lange, und eine hektische Suche nach dem Code zur Entschlüsselung
von Vivaldis Partitur, den nicht nur Maria irgendwo verborgen im Archiv
der Pieta vermutet, beginnt; bald wird Lucio und Maria klar, in welche
Gefahr sie sich begeben haben.
Aus ungewöhnlichen Voraussetzungen entstand leider nur eine
halbwegs interessante und teilweise nur mäßig spannende
Geschichte mit reichlich klischeehaften Charakteren und, für den
geübten Leser, oft vorhersehbaren Wendungen. Aufgrund der leider
recht zahlreichen Fehler und "Schlampereien" (die vielleicht auch zum
Teil auf die Übersetzung zurückgeführt werden
können) ist "Die letzte Partitur" für Venedig-Kenner als
Lektüre eher nicht zu empfehlen. Als Beispiele seien hier nur
folgende genannt: häufig vorkommende falsche Namensangaben (so ist
z.B. von einer Via Foscari die Rede - in Venedig werden die
Straßen jedoch nicht Via, sondern Calle genannt; "Piazza de Santa
Maria Formosa" anstatt "Campo Santa Maria Formosa"...); zwar wird das
Sterbejahr Vivaldis korrekt erwähnt, jedoch ein völlig
falscher Doge als zu dieser Zeit regierender genannt; es wird ein
modernes Geschäftshaus mit Luxus-Einkaufszentrum in einer
völlig unpassenden Gegend "hinzugedichtet"; die
Eintrittsgebühr in einer Kirche (in der noch dazu kein Eintritt
verlangt wird!) wird mit komplett unrealistischen 6,- Euro angegeben;
und sozusagen als Krönung des ganzen geht der ermittelnde
Kommissar - mitten in Venedig - zu seinem am Rande des Platzes
geparkten Auto!!! Genauere Recherchen hätten diesen Roman vor
solch peinlichen Pannen bewahren können.
Kritik geschrieben von Sabine R. am
03.12.2006