Autorin: Franca Permezza
Verlag: Europa Verlag 2005, 320 S.
ISBN: 3-203-81007-7
Bewertung: 4.5
Venedig in der Gegenwart:
Commissario Adriano Trattoni, hat gerade die Totenscheine
überprüft, wie es zu seinen täglichen Pflichten
gehört, da wird er in seinem Büro in der Questura von der
Contessa di Brambilla aufgesucht. Diese ist der festen
Überzeugung, dass ihr Bruder, der Rechtsanwalt Davide Brambilla,
der offiziell an einer Lebensmittelvergiftung verstorben sei, in
Wahrheit ermordet wurde - die Contessa behauptet, dass der Mörder
niemand anderes als Davides um einiges jüngere, aus Syrien
stammende Ehefrau, sein könne, die noch dazu Ärztin ist und
bestimmt die Möglichkeit dazu gehabt hätte, ihren Ehemann zu
vergiften. Commissario Trattoni beginnt, im Umfeld Brambillas zu
ermitteln - unterstützt von Sergente Vitello und der
Sekretärin Signorina Elektra, die ein wahres Computergenie ist;
jedoch gegen den Willen des Vize-Questore Berlusco, Trattonis
überheblichen und selbstgefälligen Chef, der von allen
Angestellten nur als "Duce" bezeichnet wird.
Trattoni, der seine Familie über alles liebt und gutem Essen
durchaus nicht abgeneigt ist, geht den Fall auf seine gewohnt
unorthodoxe Art und Weise an; auch seine Vergesslichkeit hält ihn
nicht davon ab, pikante Details aus dem Privatleben des Rechtsanwalts
aufzuspüren. Da wird ein zweiter Todesfall derselben Art gemeldet
- die italienische Ehefrau von Murat Tanyeli, der mit türkischen
Glaswaren handelt und sich daher unter den Glasfabrikanten aus Murano
keine Freunde gemacht hat, ist an derselben seltenen Art von
Lebensmittelvergiftung wie Brambilla gestorben - und der Rechtsanwalt
hatte Tanyeli in seinen Prozessen gegen die Murano-Glasfabrikanten
verteidigt - und stets gewonnen. Hängen diese beiden
Mordfälle irgendwie zusammen?
Trattoni kommt zunächst nicht recht voran; auch lenken ihn immer
wieder private Probleme ab; doch dann stößt er auf eine
interessante Spur.
Spannende, gut erzählte Geschichte um einen sympathisch wirkenden,
mit ungewöhnlichen Methoden arbeitenden Commissario und einen
originellen Kriminalfall vor der Kulisse Venedigs. "Prosciutto di
Parma" ist auch eine gute, sehr amüsante Parodie auf Donna Leon's
Commisario-Brunetti-Serie, bei der so einige Anleihen gemacht werden:
das Personal der Questura von der allwissenden Sekretärin bis zum
unausstehlichen Vize-Questore, das Familienleben des Commissario, die
Vorliebe für gutes Essen. Trotzdem ist Commissario Trattoni ein
eigenständiger, unverwechselbarer Charakter.
Kritik geschrieben von
Sabine R. am 22.04.2005
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