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"Schnee in Venedig"
Autor: Nicolas
Remin
Verlag: Kindler/Rowohlt Verlag, 2004, 351
ISBN: 3 463 40465 6
Bewertung: 4.5 |
Februar 1862, im
österreichisch besetzten Venedig: Auf dem gerade aus Triest
eingetroffenen Raddampfer "Erzherzog Sigmund" wird ein hoher
kaiserlicher Beamter, Hofrat Hummelhauser aus Wien, ermordet in seiner
Kabine aufgefunden; neben ihm die nackte Leiche einer unbekannten
jungen Frau. Commissario Alvise Tron, der letzte Nachfahre einer
alteingesessenen, inzwischen verarmten venezianischen Familie, wird
gerufen - doch kaum befasst er sich genauer mit dem Fall und beginnt,
die auf dem Schiff mitgefahrenen Passagiere zu verhören, wird ihm
der Fall von Oberst Pergen von der österreichischen
Militärpolizei entzogen. Als Begründung gibt dieser an, dass
die Morde mit einem geplanten Attentat auf Kaiserin Elisabeth, die zu
der Zeit in der Lagunenstadt weilt, zu tun hätten; der Hofrat habe
wichtige Papiere bei sich gehabt, die sich mit der Vorbereitung dieses
Attentates befassten - und diese Papiere sind nun verschwunden.
Recht schnell präsentiert Oberst
Pergen dann auch einen Täter; Pellico, Leiter eines Waisenhauses,
der Kontakte zu einer Widerstandsbewegung haben soll, und der sich nach
den ersten Verhören in seiner Zelle erhängt hat. Commissario
Tron, der von der faszinierenden (und von ihm heimlich angebeteten)
Principessa di Montalcino gebeten wird, sich weiterhin mit dem Mordfall
zu befassen, beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Denn es gibt so
einige andere Verdächtige - was ist zum Beispiel mit Leutnant
Grillparzer, ebenfalls ein Passagier auf der "Erzherzog Sigmund"; Neffe
des ermordeten, recht wohlhabenden Hofrats, und bis über die Ohren
in Spielschulden steckend? Oder der fanatische Priester Tommaseo? Was
weiss Moosbrugger, der penible Steward der "Erzherzog Sigmund"? Und
warum unternimmt Oberst Pergen alles, um Tron davon abzuhalten, sich
nicht weiter mit dem Mordfall zu befassen - es scheint fast so, als ob
er jemanden decken möchte.
Dann
geschieht ein weiterer Mord, und die Lage spitzt sich zu; der
traditionelle Maskenball, den die Contessa Tron, Alvises Mutter, jedes
Jahr trotz grösster Finanzprobleme ausrichtet, führt zu
dramatischen Ereignissen.
Ein sehr spannend erzählter,
atmosphärisch dichter, detailgenauer, historisch ausgezeichnet
recherchierter und dennoch nie langweilig wirkender Roman; die
vielfältigen und interessanten Charaktere sind gut gezeichnet,
niemand ist so, wie er auf den ersten Blick zu sein scheint; die
Einbeziehung von Kaiserin Elisabeth in die Geschichte ist fantasievoll
und sehr gelungen; und die Atmosphäre Venedigs zur Zeit der
österreichischen Besatzung ist gut nachvollziehbar. Ein sehr
empfehlenswerter Roman! Wie im Covertext erwähnt, ist dieser
Debütroman der Auftakt einer Serie - man darf also auf weitere
Abenteuer von Commissario Tron gespannt sein.
Kritik geschrieben von Sabine R.,
15.10.2004
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