"Die Hüterin der Quelle"

Autorin: Brigitte Riebe

Verlag: Diana

Preis: EUR 22,90

Bewertung: 4.0

Der Krippenschnitzer Veit Sternen kehrt nach dem Tod seiner Frau, mit seinen beiden Kindern Simon und Selina, aus Neapel nach Bamberg zurück. Dort trifft er Marie, die Tochter des Bierbrauers Pankraz. Die beiden heiraten, Marie hofft auf das langersehnte Glück. Aber ihr dringender Kinderwunsch erfüllt sich nicht, und die Eheleuten entfremden sich. Auch zu Selina, der taubstummen Tochter von Veit, findet sie trotz allen Bemühens einfach keinen Zugang.

Veit kann keiner schönen Frau widerstehen, so bleibt es nicht aus, dass er Marie immer wieder betrügt. Nun hat es ihm die schöne Ava angetan, eine geheimnisvolle Frau, die an einem Bootshaus an der Regnitz lebt, und auch als Kräuterfrau bekannt ist. Viele Gerüchte schwirren über diese Frau in Bamberg umher, soll sie doch in Mondscheinnächten im Fluss schwimmen und sich dabei in ein Otterweibchen verwandeln. Bei einem Kirmes-Besuch, bei dem sich Ava und Veit einen verstohlenen Blick zuwerfen, erkennt auch Marie, wer die derzeitige Geliebte ihres Mannes ist.

Inzwischen brodelt es in der einst so friedliebenden Stadt. Der alte Weihbischof predigt Tod und Verdammnis, wenn die Bürger den Druden (fränkischer Ausdruck für Hexen), nicht Einhalt gebieten. Alle ungewöhnliche Ereignisse sollen sofort der Kirche gemeldet werden, denn dann war bestimmt Hexerei im Spiel.
Marie entschließt sich nun, Ava aufzusuchen, vielleicht kann sie ihr mit einem Liebeszauber helfen? Ava lehnt ab. Als aber Maries Familie durch den Hexenwahn selbst in Bedrängnis gerät, verbünden sich die beiden Rivalinnen und kämpfen um ihr Leben.

Die Handlung des Buches spielt im Jahr 1626, zurzeit der zweiten Welle des Hexenwahns. Anhand der Familie Sternen, erkennt man als Leser, wie schnell es damals möglich war, seine Mitmenschen zu denunzieren. Abergläubisch wie die Menschen damals waren, hat es schon gereicht, wenn der Frost im Mai nochmals zugeschlagen hat, um dies als Hexenwerk zu proklamieren. Für uns heute nur noch schwer nachvollziehbar. Da ich aber schon selbst in Bamberg an einer Führung teilgenommen habe, weiß ich, dass allein bei dieser zweiten Welle des Hexenwahns von 1626-1630, 600 Menschen ihr Leben lassen mussten.
Wie die Stimmung damals kippte, das bringt die Autorin atmosphärisch gut rüber. Sie verzichtet Gott sei Dank auch, auf allzu genaue Schilderungen der damaligen Foltermethoden. Insgesamt ein sehr gut recherchierter hist. Roman, den ich unbedingt empfehlen kann.

Kritik geschrieben am 30.10.05 von Uschi

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