(Band 1 bis 10)
Autor: Rumiko Takahashi
Verlag: Ehapa Egmont
Bewertung: 5.0
Yusaku Godai, der Held der Serie „Maison Ikkoku“, ist ein „Ronin“, – ein Schulabgänger ohne Studienplatz. Er lebt im Ikkoku, einem alten japanischen Mietshaus – genauer gesagt: einer Bruchbude! - mit sechs Wohnparzellen, das einigen skurrilen Menschen ein Heim bietet. Der arme Yusaku hat zu seiner Linken den perversen Spanner Herr Yotsuya wohnen, zu seiner Rechten lebt die sexy rothaarige Nachtclub-Kellnerin Akemi Roppongi, die mit Vorliebe in durchsichtigen Baby Dolls herumläuft und Besucher des Ikkoku mit ihrem Anblick „schockt“.
Yotsuyas Neugier geht so weit, dass er einen großes
Loch in die Wand zu Yusakus Zimmer geschlagen hat und Yusaku durch dieses Loch
bespannt bzw. wie ein Schlangenmensch nach Belieben zu jeder Tages- und
Nachtzeit durch dieses Loch krabbelt, damit ihm auf keinen Fall etwas von
Yusakus Privatleben entgeht.
Im Erdgeschoss wohnt die dreiköpfige Familie Ichinose. Mutter Ichinose ist eine
Säuferin, was ihrem kleinen Sohn Kentaro sturzpeinlich ist, und sie feiert am
liebsten zusammen mit Akemi und Yotsuya ausschweifende Parties. Zu Yusakus
Leidwesen haben die drei ausgerechnet sein Zimmer zur Dauer-Partymeile
auserkoren und so würde er so gut wie nie zum Lernen kommen, würde nicht Kyoko
immer vor wichtigen Prüfungen die Bande gewaltsam aus Yusakus Zimmer entfernen.
Überhaupt hat Yusaku von Beginn an einen Sonderstatus bei ihr und beleidigt
müssen die anderen Bewohner des Ikkoku mitansehen, wie Kyoko immer wieder
mütterlich Yusakus Wäsche wäscht, ihn bekocht und sogar einmal seine Möbel aus
dem Pfandhaus freikauft.
In Band 5 von „Maison Ikkoku“ zieht außerdem noch der
kettenrauchende und begriffsstutzige Student Nozomu Nikado im Ikkoku ein, der
Verwirrung und Chaos stiftet, da er aus Kyokos und Yusakus komplizierter
„Beziehung“ nicht schlau wird.
Die Handlung von „Maison Ikkoku“ setzt mit einem Wutanfall Yusakus ein, der
aufgrund des pausenlosen Terrors durch seine Mitbewohner aus dem Ikkoku
ausziehen will. Doch just in diesem Moment tritt die neue Hausmeisterin, Kyoko
Otonashi, zur Tür und in Yusakus Leben hinein und Yusaku verliebt sich auf den
ersten Blick in die hübsche Kyoko.
Darauf folgt ein siebenjähriges Werben um die Gunst Kyokos, wobei sich der arme Yusaku nicht gerade geschickt anstellt und permanent dem Gespött seiner durchgeknallten Mitbewohner aussetzt. Immer wenn er glaubt, bei Kyoko einen Schritt weitergekommen zu sein, passiert wieder ein Missgeschick und Yusaku stolpert von einer abgedrehten Situation in die nächste.
Erschwert wird ihm sein Liebeswerben nicht nur durch
die lästigen Mitbewohner, sondern auch durch den reichen Schönling und Playboy
Shun Mitaka, Kyokos Tennislehrer, der ebenfalls ein Auge auf Kyoko geworfen hat.
Außerdem trauert Kyoko noch um ihren jung verstorbenen Ehemann Soichiro.
Im Verlauf der zehnbändigen Handlung erlebt man mit, wie Yusaku die
Aufnahmeprüfung zur Uni schafft, Pädagogik studiert, sein Referendariat macht,
keinen Job findet, eine Zusatz-Ausbildung zum Kindergärtner absolviert um dann
als Kindergärtner zu arbeiten.
Dazuwischen passiert sehr, sehr viel Komisches: Eine verliebte Schülerin Yusakus quartiert sich kurzerhand bei ihm ein und will das Ikkoku gar nicht mehr verlassen, was dazu führt, dass Kyoko und ihre „Rivalin“ einen Wettstreit um Yusakus Gunst starten. Nozomu und Yotsuya tragen einen Wettbewerb im Streiche-Spielen auf Yusakus Rücken aus (da werden schon mal Fußböden und Hausdächer durchbrochen und Türen zugenagelt und mit Leim zugeklebt!).
Yusaku wird außerdem seine süße Freundin Kozue nicht
los, da er ihr nicht weh tun will (zig Versuche einer Trennung startet er, doch
nie klappt es), was sein Werben um Kyoko noch komplizierter macht, denn Kyoko
kocht jahrelang vor Eifersucht – einer ihrer Eifersuchtsausbrüche bringt Yusaku
sogar ins Krankenhaus, denn er bricht sich das Bein dabei (er muss sogar doppelt
so lange im Krankenhaus bleiben, denn er bricht sich im Krankenhaus dank seiner
reizenden Ikkoku-Mitbewohner das Bein glatt noch einmal) - woraufhin Shun sich
absichtlich das Bein beim Skifahren bricht, um im selben Zimmer wie Yusaku
liegen und ein Auge auf Kyoko und Yusaku haben zu können!!!
Yusakus anfängliche jugendliche Schwärmerei für Kyoko wandelt sich mit den
Jahren in ernsthafte Liebe, vor der letztlich auch seine nervigen Mitbewohner
und, nicht zuletzt Kyoko selbst, kapitulieren müssen.
Obwohl in Deutschland Rumiko Takahashis Werke „Ranma ½“ und „Inu Yasha“ einer
breiteren Leserschaft bekannt sind, ist „Maison Ikkoku“ mit Abstand ihr bestes
und reifstes Werk, obwohl „Maison Ikkoku“ zu ihren ersten Werken gehört. In
Japan war der Manga so beliebt, dass er es nicht nur auf eine Anime-Serie mit
rund 100 Episoden brachte, sondern auch verfilmt wurde. Der Anime wurde kürzlich
in USA in einer Englisch synchronisierten Fassung auf DVD veröffentlicht.
Im Ikkoku tummeln sich endlich einmal ganz normal-verrückte Menschen, keine
Hunde-Halbdämonen und auch keine Jungs, die sich in Mädchen verwandeln, wenn sie
mit kaltem Wasser in Berührung kommen. Gestalten wie Herrn Yotsuya oder Frau
Ichinose trifft jeder Mensch mindestens ein Mal im Leben, wodurch man sich mit
dem armen Yusaku noch stärker solidarisiert.
Rumiko Takahashis Humor und ihr Blick für die Tücken
des Alltags sind einzigartig und man muss auf jeder Seite breit grinsen und/oder
laut lachen. Harmlose Situationen eskalieren und werden ad absurdum geführt,
weil die Gedanken der Protagonisten oftmals komplett auseinandergehen und
Missverständnis auf Missverständnis folgt.
Man gewinnt jeden einzelnen Charakter lieb und selten ist mir ein Abschied von
einer Manga-Serie schwerer gefallen als bei „Maison Ikkoku“ – vor allem nicht
nach einem so wunderschönen Happy End (später wurde Rumiko Takahashi leider
sadistischer, denn solch runde und schöne Happy Ends hat sie ihren Fans danach
nicht mehr gegönnt).
Rumiko Takahashis Zeichenstil ist sehr klassisch, die Bilder weniger „leer“ als
bei typischen Shojos. In den ersten beiden Bänden sind die Figuren noch etwas
eckiger (aber trotzdem bereits sehr schön anzusehen, denn nicht umsonst ist
Rumiko Takahashi die weltweit erfolgreichste und bekannteste Mangaka), danach
werden sie immer runder und perfekter. Wie bei fast allen Mangaka üblich ähneln
sich die Protagonisten ihrer unterschiedlichen Serien. In Yusaku und Shun kann
man schon sehr gut Inuyasha, Ranma und Ryoga erkennen. Kyoko ähnelt ihren „Nachfahrinnen“
Akane und Kagome.
„Maison Ikkoku“ ist ein Muss für Freunde turbulenter (Manga-) Liebeskomödien und
in meinen Augen die mit weitem Abstand schönste und witzigste Manga-Serie
überhaupt. Aufgrund der übersichtlichen Aufteilung und Gestaltung der Panels
sowie der übersichtlichen Anzahl der Protagonisten und der Handlungsstränge ist
„Maison Ikkoku“ auch bestens für Einsteiger geeignet. Nebenbei erfährt man
während der Lektüre einiges über den japanischen Alltag und japanische
Traditionen.
Geschrieben von Angela am 15.03.06.
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