"Die Herrin von Llyn"

Originaltitel: Kaleidoscope

Autor: Jane Watt

Verlag: Rowohlt TB € 8,90

Genre: Time Travel

Bewertung: 4.5

Wales 1998: Die fünfundzwanzigjährige Nell ist schrecklich aufgeregt, als sie endlich ihren Heimatort in Wales erreicht. Es ist lange her, dass sie diesen Ort besucht hat, nun will sie ihren Ehemann Grant, die Stätte ihrer Kindheit zeigen. Dazu gehört auch die Burgruine von Llyn, als Kind war die Burg ihr bevorzugter Spielplatz. Als sie nun in den Ruinen herumwandert, da passiert es wieder, sie entdeckt einen geheimnisvollen Mann in mittelalterlicher Kleidung, der dann kurz darauf durch eine Tür verschwindet. Schon als Kind konnte sie dort immer wieder Menschen aus einem anderen Zeitalter beobachten, die kein anderer sehen konnte. Diese Beobachtung verschweigt sie aber ihren Ehemann. Am nächsten Tag macht Nell einen Ausritt, um die Gegend neu zu erkunden, als sie plötzlich stürzt ...

Wales 1198: Als Nell aus ihrer Ohnmacht erwacht, sieht sie zuerst diesen geheimnisvollen  Fremden, er steht gebeugt über ihr und spricht sie mit Elena an. Nell schaut sich um, die Gegend wirkt fremd und doch vertraut. Da wird ihr schnell klar, dass sie sich in einem anderen Jahrhundert befindet. Ihr Name ist nun Elena und der Fremde heißt Rhys und ist der Burgherr von Llynn. Er bringt Elena, die er in England gerade geheiratet hat, auf seine Burg.

In ihrem neuen Heim fühlt sich Elena schnell wohl, sie ahnt, dass sie nun ihr wahres Zuhause und Zeitalter gefunden hat. Mangelnde Kenntnis über die damaligen Gegebenheiten, versucht sie durch gute Beobachtungsgabe und Nachahmung auszugleichen, was ihr auch bestens gelingt.

Elena und Rhys fühlen sich inzwischen immer mehr zueinander hingezogen. Anfangs schreckt Elena noch vor einer körperlichen Vereinigung zurück, sie hat ein schlechtes Gewissen wegen Grant. Sie macht sich Gedanken, ob die echte Elena wohl eine Zeitreise in die Zukunft und zu Grant getan hat. Aber die Vergangenheit verblasst langsam,  und Elena und Rhys sind sich inzwischen immer mehr in Liebe zugetan. Bald kündigt sich auch Nachwuchs an.

Es könnte also alles zum Besten stehen, wären da nicht immer wieder die aufflackernden Kriege zwischen England und Wales. König John will sich Wales einverleiben, Wales kämpft verzweifelt um Freiheit und Selbstbestimmung. Rhys muss sich nun auch entscheiden, auf welcher Seite er stehen wird. Er entschließt sich schließlich,  für den walisischen Fürsten Llywelyn zu kämpfen. Aber bald ist dadurch das Familienglück getrübt, denn Elena erinnert sich an eine Geschichtsstunde in ihrem anderen Leben,  was sie dort erfahren hat, bedeutet nun nichts Gutes für ihre Familie.  Sie fasst einen Entschluss und hofft, damit den Gang der Geschichte beeinflussen zu können. Aber wird es gelingen?

Jane Watt ist ein bemerkenswerter Debütroman gelungen, sehr bewegend und wunderbar zu lesen. Nichts wirkt übertrieben,  im Gegenteil, als Leserin hatte ich immer das Gefühl, genau so,  könnte es sich in jenen Tagen zugetragen haben.  Ein besonderes Augenmerk legt die Autorin auf die Praxis, dass in jener Zeit die Besiegten den Siegern eine Geisel überstellen mussten, vornehmlich aus den einflussreichen Familien des Landes, was auch durch geschichtliche Fakten belegt ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, welches Leid die betroffenen Familien durch diese (Un)Sitte erdulden mussten. Wer einen besonderen Zeitreiseroman sucht, sollte hier unbedingt zugreifen.

Kritik geschrieben am 16.04.2004 von Uschi

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