"Die stumme Sängerin"

Originaltitel: The Cloud Machinery

Autor: Christopher Whyte

Verlag: Kindler Verlag, 2001, 365 S.,

ISBN: 3-463-40375-7

Bewertung: 4.0


Venedig, Januar 1761: Seit sieben Jahren schon ist das Teatro Sant Igino geschlossen, nachdem Alvise Contarini, der letzte, aus einer berühmten Theaterfamilie stammende Besitzer, ermordet wurde. Nun hat Donato Gradenigo das Erbe antreten können, und er möchte das Teatro Sant Igino wiedereröffnen - und zwar in relativ kurzer Zeit, noch vor dem Ende des Karnevals. Er beauftragt den bekannten Impresario Ansaldo Limentani mit dieser schwierigen Aufgabe; dieser versucht in aller Eile eine Truppe von Künstlern zusammenzubringen und ein interessantes Programm auf die Beine zu stellen. Doch das ist leichter gesagt als getan; Limentani und der junge Domenico, den er als musikalischen Leiter einstellt, haben gegen eine Reihe von Schwierigkeiten zu kämpfen, wovon eigenwillige Künstler noch das geringste Problem darstellen.

Im Teatro Sant Igino, so heißt es, soll es nämlich spuken, und richtig, Domenico hört schon bald merkwürdige Geräusche auf dem Dachboden, und eine Frauenstimme, die neapolitanische Lieder singt. Als er der Sache nachgeht, trifft er auf dem Dachboden auf den ehemaligen Kastratensänger Angelo Colombani, der seit sieben Jahren zurückgezogen dort haust und Modelle für überaus geniale Theatermaschinen konstruiert; so hatte Angelo auch die im Teatro Sant Igino vorhandene, raffinierte Wolkenmaschine entworfen, eine Vorrichtung, mit der die Künstler in den verschiedensten Positionen "auf die Bühne heruntergelassen" werden können. Auch finden sich im Theater einige Papiere, die die Hintergründe des Mordes an Contarini erhellen könnten - doch sorgen die Intrigen des geheimnisvollen Goffredo Negri, der magische Kräfte besitzen soll, und der von der exzentrischen deutschen Baronin Hedwiga unterstützt wird, für Aufruhr und bringen schließlich Domenico in große Gefahr. Kann die geplante, glanzvolle Premiere überhaupt noch über die Bühne gehen?

Interessanter, ungewöhnlicher Roman um die Geheimnisse eines alten Theaters und die Turbulenzen und Probleme im Künstlermilieu; anfangs etwas verwirrend, da sehr viele Charaktere erst eingeführt und diverse Handlungsstränge miteinander verbunden werden; auch wird die Geschichte etwas abrupt beendet. Ansonsten ein unterhaltsamer Ausflug in die Welt des Musiktheaters.

Kritik geschrieben von Sabine R., 05.03.2005 

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