Die Nacht hat zärtliche Hände

Deutsche Erstveröffentlichung: 2002

Autorin: Elaine Winter

Verlag: Plaisirs d'Amour im Konkursbuchverlag

ISBN: 3-88769-640-9

Preis: 14,90 Euro

Bewertung: 4.5

Nachdem die Information verarbeitet ist, dass ihr Mann Richard mit der Sekretärin ein Verhältnis hat, beginnt Melissa ein neues Leben. Die Ehe-Fassade bleibt erhalten, jedoch verläuft der Umzug nach Hamburg, der sowieso geplant war, wesentlich mehr nach ihren eigenen Wünschen als nach denen Richards, was dieser in seiner Egozentrik kaum bemerkt.  Bei der Suche nach einer neuen Wohnung fällt Melissas Wahl auf eine leicht  vernachlässigte Hamburger Kaufmannsvilla mit Gartenhaus und Park. Einziger offensichtlicher Haken: Das Gartenhaus wird von Alexander Burg, einem Maler bewohnt, der nicht bereit ist auszuziehen. Er ist zudem besonders charmant, unverschämt und gutaussehend. Die erotische Anziehungskraft zwischen ihm und Melissa bestimmt den Fortgang der Geschichte, während Melissas Alltag vordergründig mit dem Einrichten der Wohnung und der Unterstützung von Richards Karriere beschäftigt ist und für dessen Zwecke zu funktionieren hat. Melissa lernt in Hamburg Menschen nach ihrem Geschmack kennen, schafft sich einen Namen als Fotografin, lernt die im Haus lebenden Geister Julius und Anabelle kennen und schätzen und vor allem beginnt sie nach Jahren der Vorsicht und Rücksichtnahme endlich selbst zu leben.

Dieser amüsante Roman war mein erster eindeutig erotischer (in Buchform), und bestimmt nicht mein letzter. Durch die Mischung von aktuellem Leben und historischen Einsprengseln wurde gleich ein Sog erzeugt das Buch weiter und weiter lesen zu wollen. Alle positiven Charaktere sind begreifbar aber nicht simpel gezeichnet, bis auf den Obermacho Richard, der auch nicht mehr oder bessere Beachtung verdient hat. Die beiden schönen Hauptakteure Alexander und Melissa werden eindeutig positiv und warmherzig geschildert. Die Hamburger Umgebung und das Haus mit dem Park laden so richtig zum Verweilen ein und was die Beiden (und auch andere Akteure) miteinander anstellen, wird sehr deutlich, aber niemals plump, dargestellt.

Der sympathische Geist Julius und der kurze Einblick in sein historisches Schicksal, sein Beschützerinstinkt für Melissa und seine erotischen Taten runden das Bild ab, obwohl mich einzig seine Existenz etwas verwirrt hat. Auch die Nebenakteure sind vorstellbar und sind genau so ins Bild gerückt, dass die Neugier geweckt wurde. Besonders von Natascha hätte ich gerne mehr erfahren.

Insgesamt hat Elaine Winter mit ihrem Erstlingswerk einen schönen überaus erotischen Roman geschrieben, der zum Träumen einlädt und auf Folgewerke hoffen lässt.

Kritik geschrieben von Binchen, 31.12.2002

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