Originaltitel: Dans les Vents du Coromandel
Autor: Yves Aubin
Verlag: Limes HC 24,90
Genre: Historisch
Bewertung:
4.5
Pondicherry im Jahr 1750:
Gerade hat der Gouverneur Francois-Joseph Dupleix den Angriff der
Engländer vor den Toren Pondicherrys zurückgeschlagen. Nun
befindet er sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und ist beim
Volk, wie auch bei den Vertretern der Ostindienkompanie sehr beliebt.
Aber Dupleix hat noch weitere Visionen, er will zum Wohle Frankreichs,
dessen Herrschaftsgebiet noch weiter ausdehnen. Er schließt daher
auch Bündnisse mit indischen Prinzen, um dieses Ziel zu erreichen.
Die Nichte von Dupleix, Johanna, lebt seit dem Tod ihrer Eltern im Haus
ihres Onkels. Inzwischen 17-jährig hat sich Johanna zu einer
der schönsten Frauen der Koromandel-Küste gemausert. Den
dunklen Teint hat sie von ihrer indischen Mutter, die hellen Augen vom
französischem Vater geerbt. Kein Wunder also, dass sie zahlreiche
Verehrer hat. Allerdings weckt dies auch den Neid so manch einer
Frau, die von der Natur nicht so begünstigt wurde. Aber das
stört die stolze, eigenwillige Johanna wenig, sie genießt
ihre Ausnahmestellung. Madame Dupleix will Johanna so bald wie
möglich verheiraten, sie
sucht daher schon eifrig nach einem passenden Kandidaten. Bald ist
dieser auch gefunden. Alexandre La Prèvotière
weilt noch nicht lange in Pondicherry, er stammt aber aus einer
einflussreichen französischen Familie und hat sich sofort in
Johanna verliebt. Johanna selbst träumt von der großen Liebe
und will eigentlich keine Verbindung mit Alexandre eingehen, für
den sie keine besondere Vorliebe hegt. Als sie den Druck der Familie
nicht mehr standhalten kann, sagt sie schließlich zu.
Am Abend ihrer Verlobung lernt sie den Frauenhelden und Abenteurer,
Henri de Mainville, kennen. Henri ist gerade mit dem Schiff aus
Frankreich gekommen, um hier seinen Dienst als Offizier
anzutreten. Hinter vorgehaltener Hand wird erzählt, dass er
aus Frankreich flüchten musste, weil er den Ehemann seiner
Geliebten im Duell getötet haben soll. Als die beiden zum ersten
Mal aufeinander treffen, sprühen sofort die Funken. Johanna
weiß, das ist der Mann ihres Lebens und hofft insgeheim, dass
Henri ihr einen Antrag machen wird. Als nichts in dieser Richtung
passiert, wagt sie das Ungeheuerliche und sucht Henri ohne Begleitung
in seinem Quartier auf. Aber Henri lacht sie nur aus, er denkt gar
nicht daran sie zu heiraten. Zu ihrer Enttäuschung kommt noch
hinzu, dass dieses Stelldichein nicht verborgen bleibt, ein Skandal
bahnt sich an. Ihr Onkel greift ein, um schlimmeres zu
verhüten. Henri wird sofort auf Reisen geschickt, offiziell um
einen Prinzen vor dessen Feinden zu beschützen, aber
natürlich auch um die Liebenden zu trennen. Ein
Hochzeitstermin wird festgelegt, um Johanna mit Alexandre zu
vermählen. Es gilt Johannas Ruf schnellstens wieder herzustellen.
Jahre vergehen bis sich die Beiden wieder sehen. Johanna ist inzwischen
verheiratet. Das hält die Beiden aber nicht davon ab,
ihre Liaison sofort wieder aufzunehmen. Trotz der langen Trennung ist
ihre Leidenschaft zueinander kein bisschen abgekühlt.
Heimlich treffen sie sich immer wieder, um die kurzen Stunden des
Glücks zu genießen. Bald wird Henri abberufen, er soll
für den Gouverneur eine wichtige Festung erobern. Als die
Eroberung aus Geldmangel misslingt, gerät Dupleix beim
König in Misskredit. Begünstigt durch viele Neider, scheint
der tiefe Fall des Gouverneurs vorprogrammiert. Tatsächlich taucht
bald ein Gesandter des Königs auf und enthebt Dupleix aller
Ämter. Außerdem bekommt er und seine Familie die
Order, sich schnellstens in Paris einzufinden. Er kehrt in sein
Heimatland als gebrochener Mann zurück.
Auch für Johanna wird diese Anordnung Konsequenzen für ihr
weiteres Leben haben, denn auch Henri wird wieder nach Frankreich
zurückkehren. Wie wird sie sich entscheiden?
Großartig verknüpft hier der Autor den geschichtlichen
Hintergrund Indiens mit einer leidenschaftlichen
Liebesgeschichte. Der Leser erfährt durch eine Fülle
von Details, viel über dieses Land und seinen Menschen. Man
merkt, dass der Autor Vorort seine Recherchen betrieben hat. Verwirrend
sind oft die vielen indischen Ausdrücke, ein Blick ab und an ins
Glossar schafft aber Abhilfe. Ein opulenter Roman, wer eine exotische
Kulisse liebt, sollte diese Geschichte keineswegs verpassen.
Kritik geschrieben am 16.04.2004 von Uschi